Neue Corona-Variante:Wie stark ist Omikron in Deutschland verbreitet?

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Coronavirus - Mutationen

Vorbereitung eines PCR-Tests für die Analyse auf Mutationen des Coronavirus.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Die als besorgniserregend eingestufte Corona-Variante Omikron wurde auch in Deutschland bereits mehrfach nachgewiesen. Wie sehr zirkuliert Omikron hierzulande?

Nach ersten Nachweisen der Omikron-Variante in Deutschland gehen Experten davon aus, dass es bereits noch mehr Fälle unentdeckt in Deutschland gibt. Der Zeitraum, in dem Reisende das Virus bereits international verbreiteten, betrage sicher Wochen, sagt Oliver Keppler, Vorstand am Max-von-Pettenkofer-Institut der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Einige Hundert Fälle können es in Deutschland vielleicht sein."

Die aktuellen Infektionszahlen in Deutschland könne man jedoch nicht mit Omikron in Verbindung bringen, das sei die Delta-Welle, sagt Keppler. Am Max-von-Pettenkofer-Institut waren Omikron-Fälle in Bayern nachgewiesen worden. Die Variante war kurz nach ihrem Bekanntwerden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuft worden. Inzwischen haben mehrere Länder weltweit Nachweise gemeldet. Gesamtzahlen für Deutschland veröffentlicht das Robert-Koch-Institut bisher nicht.

"Angesichts der Delta-Infektionsdynamik steht unser Gesundheitssystem in einer Sackgasse ja bereits mit dem Rücken zur Wand", sagt Keppler zum möglichen Einfluss der neuen Variante auf die aktuelle Welle. "Nun fährt ein Wagen mit defekter Bremse darauf zu." Zwar seien Omikron-Eigenschaften in Hinblick auf Übertragbarkeit, Verminderung der Impfstoff-Effektivität und Krankheitsausprägung noch schwer einzuschätzen. Was bisher bekannt sei, lasse aber eine Verschlechterung der Situation befürchten. Daher bestehe jetzt "höchster Handlungsdruck, die vierte Welle zu brechen".

Die Virologin Sandra Ciesek rechnet damit, dass sich über die Dauer und den Umfang der internationalen Omikron-Verbreitung erst in nächster Zeit mehr sagen lässt. Das werde man in den nächsten Wochen lernen, wenn Labore zum Beispiel Rückstellproben aus den vergangenen Wochen analysierten. Das RKI kündigte ebenfalls an, in der Vergangenheit gewonnene Genomsequenzen zu analysieren.

Dass europäische Länder die Variante so spät bemerkten, ist kein gutes Zeichen

Die Tatsache, dass europäische Länder die Variante erst bei Reisenden erkannten, nachdem Südafrika und andere Länder davor warnten, bedeute wahrscheinlich, dass viele Fälle bisher unentdeckt blieben, twitterte der aus Österreich stammende Impfexperte Florian Krammer vor einigen Tagen. "Es sagt uns auch viel über die Genomüberwachung in einigen Ländern mit hohem Einkommen."

Bei der Routineüberwachung in Deutschland wird von fünf bis zehn Prozent der positiven Corona-Proben das Erbgut genau aufgeschlüsselt. "So würde Omikron auch in Deutschland entdeckt", erklärte der Verband Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM) am Dienstag. Das RKI informiert in seinen Wochenberichten über Ergebnisse dieser Analysen; diese zeigen stets Daten der Vorvorwoche. Begründet wird dies mit der "prozessbedingten langen Dauer bis zur Übermittlung der Sequenzierungsergebnisse an das RKI".

Wie Omikron die vierte Welle in Deutschland beeinflussen könnte, lässt sich laut Ciesek vom Universitätsklinikum Frankfurt bisher nicht seriös abschätzen. "Wir haben derzeit eine ausgeprägte Delta-Welle, das allein ist schon ein großes Problem, welches eigentlich unsere volle Aufmerksamkeit fordert." Omikron führe auf jeden Fall zu weiteren Belastungen der Labore.

Sars-CoV-2 verhielt sich schon mehrmals anders als von einem Coronavirus erwartet

In Laboren würden bereits spezielle Omikron-Kits getestet, sagt Nina Beikert aus dem ALM-Vorstand. "Wir gehen davon aus, dass wir spätestens zum Ende der Woche in der Lage sind, nach der ersten PCR zur Feststellung einer Infektion dann auch die zusätzliche PCR auf die Omikron-Variante durchzuführen." Diese hätte dann eine sehr hohe Aussagekraft, dass wahrscheinlich Omikron vorliegt. Der Laborverband kündigte den Einsatz in konkreten Verdachtsfällen an, etwa bei Reiserückkehrern aus bestimmten Regionen oder deren Kontaktpersonen.

Wie häufig variantenspezifische PCR-Tests in den vergangenen Wochen durchgeführt wurden, scheint sich regional sehr zu unterscheiden. Während Ciesek von solchen Tests bei sich im Haus bei jeder Erstdiagnose berichtet, hieß es von ALM-Vorstand Michael Müller, dass dieses Verfahren wegen der großen Dominanz der Delta-Variante zuletzt "im Wesentlichen eingestellt" gewesen sei.

Der bisherige Pandemieverlauf hat gezeigt, dass vorherrschende Varianten innerhalb relativ kurzer Zeit von ansteckenderen Mutanten abgelöst werden können. Die Alpha-Variante (B.1.1.7) war einige Tage vor Weihnachten 2020 von Großbritannien gemeldet worden. In Deutschland wuchs ihr Anteil zu Beginn des Jahres 2021 immer weiter. Sehr schnell lief nach RKI-Daten der Wechsel hin zur in Indien entdeckten Delta-Variante im Sommer ab. Sars-CoV-2 habe sich nun schon mehrmals anders verhalten als zunächst von einem Coronavirus erwartet, hatte der Virologe Christian Drosten im Sommer gesagt. "Alpha und Delta waren absolute Überraschungen." Mit so massiven Steigerungen der Übertragungsrate habe kein Virologe gerechnet. "Das hat es bisher bei keinem anderen Virus gegeben." Ob Omikron eine noch einmal höhere Übertragungsrate bedeutet oder aber Delta in anderer Weise überlegen ist, bleibt derzeit noch unklar.

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