Ökologische Landwirtschaft:"Wir waren ein bisschen erstaunt"

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Im Klartext heißt das: Phosphor-Mangel stellt kein verbreitetes Problem dar, und ein höherer Anteil des Stoffes in der Nahrung ist deshalb kein offensichtlicher Vorteil. Die Studienlage zu konventionell und biologisch erzeugter Milch ergab ebenfalls kaum eindeutige Differenzen. Beim Protein- und Fettgehalt fanden sich keine Unterschiede. Jedoch lege eine kleine Zahl von Studien nahe, dass in Bio-Milch mehr Omega-3-Fettsäuren enthalten sein könnten, berichten Bravata und ihre Kollegen. Die Unterschiede scheinen dennoch marginal oder irrelevant zu sein. "Wir waren ein bisschen erstaunt, dass wir nichts gefunden haben", kommentiert Smith-Spangler.

Vielleicht steckt nicht signifikant mehr Gutes in Bio-Lebensmitteln - aber vielleicht enthalten sie dafür weniger unerwünschte Stoffe als herkömmliche Ware? Abermals sind die Unterschiede geringer als gemeinhin angenommen. Die Belastung mit E.-coli-Bakterien zum Beispiel liegt laut der Analyse auf einem vergleichbaren Niveau. Auch bei Salmonellen oder Campylobacter-Bakterien ergab sich kein Unterschied zwischen den Herstellungsarten. Unterschiede zeigten sich hingegen bei Pestizidrückständen, die auf Bio-Ware seltener oder in geringerer Menge zu finden sind.

Doch sogar sie ist nicht zu 100 Prozent unbelastet. In sieben Prozent der Bio-Proben ließen sich Pestizid-Rückstände nachweisen, bei konventionellen Proben lag die Rate bei 38 Prozent. Zunächst klingt das nach einem gravierenden Unterschied - konkrete Auswirkungen auf die Gesundheit lassen sich aber auch davon kaum ableiten, die Rückstände lagen alle unterhalb der gesetzlichen Grenzwerte.

So ist auch die Interpretation von zwei Studien fraglich, für die Pestizid-Rückstände im Urin von Kindern gemessen wurden, die sich herkömmlich oder ökologisch ernährten. In der Bio-Gruppe fanden die Forscher jeweils weniger Spuren von Pflanzenschutzmitteln. Doch in allen Gruppen lagen die Rückstände unterhalb der Grenzwerte. Schweinefleisch und Hühnchen aus Bio-Betrieben waren zudem etwas geringer mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

All das klingt zwar nach deutlichen Vorteilen für Bio-Lebensmittel. Doch die Forscher schränken ein: Es sei unklar, wie relevant die Ergebnisse sind. Denn ob sich Frauen während einer Schwangerschaft nur mit Bio-Lebensmitteln ernähren, scheint laut zwei Studien für die Gesundheit der Kinder keine Rolle zu spielen.

Die Unterschiede sind marginal, die Auswirkungen auf die Gesundheit bestenfalls unklar - sollte man sich dann nicht das Geld für die meist teureren Bio-Produkte sparen? "Wenn man die Frage nach der Gesundheit außer Acht lässt, gibt es immer noch zahlreiche Gründe, Bio-Produkte zu kaufen", sagt Bravata.

Da in der Öko-Landwirtschaft auf synthetischen Dünger und die meisten Pestizide verzichtet werde, sollten vielmehr die Sorge um die Umwelt ein Grund für Kunden sein, im Bio-Markt einzukaufen. Auch das Wohlergehen von Nutztieren sei ein starkes Argument für Bio-Ware. Und wer sich doch um seine eigene Gesundheit sorge, der solle seinen Ernährungsstil überdenken und mehr Obst und Gemüse essen - "egal wie diese erzeugt worden sind", sagt Smith-Spangler.

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