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Nichtraucher werden:Das leistet die Nikotinersatztherapie

Nikotinpflaster & Co. können den Abschied von der Zigarette erleichtern. Der Körper bekommt den Stoff, nach dem er giert. Für wen sich welche Präparate eignen.

Nikotinersatzpräparate machen einen Raucher nicht automatisch zum Nichtraucher. Aber sie können die erste Phase des Aufhörens erleichtern. Sie mildern Entzugserscheinungen wie Schlafstörungen, schlechte Laune, Konzentrationsschwäche, Unruhe oder Heißhunger und helfen, die Gewichtszunahme in Grenzen zu halten.

Das Nikotin in den Präparaten flutet langsamer an und wird in einer geringeren Dosis abgegeben als beim Rauchen. Der Kick durch die Zigarette bleibt aus. Deswegen wird man von Ersatzpräparaten in der Regel nicht abhängig. Sie sorgen aber dafür, dass die Nikotinandockstellen im Körper besetzt sind. Das nimmt den Druck, zur Zigarette zu greifen.

Der Körper entwöhnt sich sehr schnell vom Nikotin. Nach zwei Tagen bis maximal einer Woche meldet das Gehirn keinen Nikotinmangel mehr. Was bleibt ist das Verlangen, zu rauchen, also das gewohnte Verhalten auszuüben. Auch gegen dieses sogenannte Craving helfen Nikotinpflaster und Co. Deshalb dauert die Nikotinersatztherapie in der Regel drei Monate. Anschließend wird die Dosis schrittweise reduziert.

Dass die Ersatztherapie wirkt, ist wissenschaftlich gut belegt. In Studien verhalf der Nikotinersatz 80 Prozent mehr Rauchern zum Ausstieg als ein Scheinmedikament. Das bedeutet auf zehn Raucher, die mit einem wirkstofffreien Placebo erfolgreich aufgehört haben kamen 18, die es mit Nikotinersatzpräparaten schafften. Diese Zahlen bedeuten dagegen nicht, dass 80 Prozent der Raucher mit einem Pflaster ihre Sucht überwinden. Die Erfolgsquoten sind wesentlich geringer und hängen davon ab, wie die Aufhörwilligen sonst noch unterstützt werden. Experten empfehlen, die Nikotinersatztherapie mit einem verhaltenstherapeutischen Programm zu kombinieren. Denn bei der Tabakentwöhnung geht es im Kern um eine Verhaltensänderung.

Was ist mit Nebenwirkungen?

Die Rauchstopphelfer aus der Apotheke liefern das Nikotin ohne krankmachenden Tabakrauch. Bei richtiger Verwendung sind sie ungefährlich. Mögliche Nebenwirkungen des Nikotins sind Kopfschmerzen und Schwindel. Empfindliche Menschen können auf Pflaster mit Rötungen oder Juckreiz reagieren. Kaugummis und Tabletten reizen mitunter die Schleimhäute in Mund und Hals.

Ob Kleben, Schlucken, Kauen oder Inhalieren - welche Form des Nikotinersatzes am besten funktioniert, hängt davon ab, welcher Raucher-Typ man ist, und wie ausgeprägt die Abhängigkeit vom Nikotin ist. (Wie stark ihre Sucht ist, können Sie hier testen). Ist die Nikotinabhängigkeit sehr stark, ist es sinnvoll, ein Pflaster zu tragen und zusätzlich Kaugummis oder Tabletten zu nehmen. Wichtig ist, dass man die Nikotinersatzpräparate ausreichend hoch dosiert und lange genug nimmt.

Pflaster, Kaugummis, Tabletten - Wem hilft was?

Nikotinpflaster

Nikotinpflaster geben das Nikotin über die Haut an den Körper ab. Der Nikotinspiegel im Blut steigt langsamer an als beim Rauchen und bleibt über mehrere Stunden konstant. Der suchterzeugende Nikotinschub der Zigarette fällt weg. Nikotinpflaster sind gut geeignet für mittelstark bis stark abhänge Raucher, die über den Tag verteilt viel geraucht haben. Es gibt die Pflaster in drei Stärken. Sie wirken 16 oder 24 Stunden lang und müssen täglich gewechselt werden.

Nikotinkaugummi

Beim Kauen gelangt das Nikotin in den Speichel und über die Mundschleimhaut ins Blut. Damit dies nicht zu schnell geschieht, sollte man Nikotinkaugummis langsam und mit Pausen kauen. Sobald ein Effekt spürbar wird, kann man den Nikotinspender in der Backentasche "parken". Nikotinkaugummis helfen gering bis mittelstark abhängigen Rauchern am besten, die nicht mehr als 15 Zigaretten am Tag geraucht haben. Sie können akutes Rauchverlangen vertreiben. Dies ist besonders günstig für Menschen, die vorher unregelmäßig und situationsabhängig geraucht haben. Nikotinkaugummis gibt es in zwei Dosierungen und unterschiedlichen Geschmacksrichtungen.

Nikotinlutschtabletten

Lutschtabletten sind eine Alternative zum Nikotinkaugummi. Sie eignen sich ebenfalls für Raucher mit unregelmäßigem Tageskonsum. Die Lutschtablette bleibt etwa 20 Minuten im Mund, über die Schleimhaut gelangt Nikotin in die Blutbahn. Es gibt sie ebenfalls in zwei Dosierungen.

Sublingualtablette

Sublingualtabletten setzen das Nikotin ebenfalls im Mund frei. Man legt sie unter die Zunge und lässt sie dort zergehen. Das ist eine sehr unauffällige Möglichkeit, akutes Verlangen nach einer Zigarette zu vertreiben.

Nikotininhalator

Der Inhalator besteht aus einem Mundstück und einer austauschbaren Patrone mit Nikotin. Wie beim Rauchen inhaliert man das Nikotin. Pro Zug gelang jedoch weniger Nikotin in die Lungen. Der Nikotinspiegel im Blut steigt innerhalb von 30 Minuten an.

Nikotinersatzpräparate kann man in jeder Apotheke kaufen. Ein Rezept ist dafür nicht erforderlich. Die Kosten müssen angehende Ex-Raucher allerdings selbst tragen.

© Süddeutsche.de/beu

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