GesundheitRauchen gegen links

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Nikotinbeutel setzen das Nervengift im Mund frei. Die WHO warnt vor ihnen.
Nikotinbeutel setzen das Nervengift im Mund frei. Die WHO warnt vor ihnen. Robert Michael/Robert Michael/dpa
  • Die MAHA-Bewegung um US-Gesundheitsminister Kennedy bewirbt Nikotin als Wundermittel, das angeblich fitter macht und die Konzentration stärkt.
  • Experten warnen weiterhin vor Nikotin als süchtig machendem Nervengift.
  • Die Trump-Regierung will das geplante Mentholzigaretten-Verbot kippen und strich Tabak-Warnungen aus einem Gesundheitsbericht für Kinder.
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In Trumps Amerika wird die Zigarette politisch: Die Maha-Bewegung um Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat Nikotin als neues Wundermittel entdeckt.

Von Boris Herrmann, New York

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In den USA ist von einem neuen Wundermittel zu hören. Nun ja, so ganz so neu ist es eigentlich nicht mehr, die Menschen konsumieren es ja seit Tausenden Jahren. Aber wie führende Experten der regierungsnahen „Make Amerika Healthy Again“-Bewegung (Maha) argumentieren, sind die heilenden Kräfte dieser Substanz allzu lange unterschätzt worden. Denn sie macht angeblich fitter, stärkt die Konzentration, hilft bei der Alzheimer- und Parkinson-Prophylaxe und, wenn die Maha-Bewegten da richtig informiert sind, dann verlängert sie sogar das Leben. Nikotin heißt dieses zauberhafte Mittel.

„Nikotin selbst ist nicht schädlich, es ist hilfreich“, teilte etwa die konservative Fitness-Influencerin Jillian Michaels mit. In dem Maha-nahen „Gesundheits- und Wellness“-Podcast „Culture Apothecary“ gab es eine Folge mit dem Titel: „Nikotin ist NICHT der Bösewicht“. US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., der offenbar selbst „nicotine pouches“ benutzt, die man sich unter die Oberlippe steckt, sagte, diese Beutelchen seien „vielleicht“ der sicherste Weg, um Nikotin zu konsumieren. Kennedy hält allerdings auch Rindertalg und Brathähnchen für gesundheitsfördernd.

Die Vorstellung, die Zigarette sei in den USA lange ausgestorben, ist stark von den Eindrücken aus liberalen Großstädten wie New York oder L.A. geprägt. In dem weiten Land zwischen den Küsten wird weitergeraucht. Insbesondere in den Bars, wo sich die Anhänger der Trump-Regierung treffen, stehen verlässlich Aschenbecher auf der Theke, mitunter direkt neben dem Cheeseburger. Offenbar geht es da auch um einen politisch motivierten Nikotingenuss. Man will sich von den sogenannten Gutmenschen, also den Demokraten, nicht vorschreiben lassen, auf welche Weise man seinen Körper ruiniert.

Verbot von Mentholzigaretten gekippt

Im Gegensatz zum US-Gesundheitsminister wissen aber die meisten Raucher, Tabakkauer- und -schnupfer, dass ihr Laster nichts mit Wellness zu tun hat und sie ihre Lebenserwartung damit nicht unbedingt erhöhen. „Nikotin ist eine hoch süchtig machende Chemikalie“, heißt es auf der Website der Centers for Disease Control and Prevention (CDC), einer Bundesbehörde, die Kennedys Ministerium unterstellt ist. Da steht auch ausdrücklich: „Es gibt kein sicheres Tabakprodukt, Nikotinbeutel eingeschlossen.“ Rauchen gilt weiterhin als die häufigste „vermeidbare Todesursache“, sowohl in den USA als auch weltweit.

Ein Unterstützer Donald Trumps bei einer Wahlkampfveranstaltung (Archivfoto)
Ein Unterstützer Donald Trumps bei einer Wahlkampfveranstaltung (Archivfoto) MARK MAKELA/Getty Images via AFP

Noch ist es nicht so weit, dass die Maha-Bewegung öffentlich für einen gesundheitsfördernden Zigarettengenuss eintritt, bislang geht es da vor allem um Nikotinbeutel oder Nikotinkaugummis. Aber es ist schon so weit, dass der Nichtraucher Trump zur Rettung der E-Zigarette („Save Vaping!“) aufgerufen hat. Oder dass ein von der Biden-Regierung geplantes Verbot von Mentholzigaretten gekippt wurde. Und dass ein 20-seitiger Gesundheitsbericht aus dem Weißen Haus mit dem Titel „Make Our Children Healthy Again“ keinerlei Warnungen vor den Risiken von Tabak und Nikotin mehr enthält.

Der New York Times zufolge haben einige von Amerikas Tabakkonzernen zuletzt unter anderem Trumps geplanten Ballroom-Bau mit Millionen unterstützt. Laut einer Sprecherin des Weißen Hauses gibt es da aber keinen Zusammenhang zum persönlichen Einsatz des US-Präsidenten für die Tabaklobby. Trump, hieß es, wolle den Zugang zur E-Zigarette nur deshalb erleichtern, um den Amerikaner dabei zu helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.

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