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Neue Drogen auf dem Vormarsch:Reicht der Ratschlag "Nehmt keine Drogen" noch?

Sensibilisierung bedeutet auch gegen verbreite Fehlwahrnehmungen anzugehen. In das Gespräch und die Auseinandersetzung mit den Gefahren des Substanzkonsums sollten auch gerade junge Drogenkonsumenten und benachteiligte junge Menschen einbezogen werden - nicht nur Musterschüler und Hoffnungsträger.

Die "Youth Initiative" des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung, die bereits 50 Ländern erreicht hat, bemüht sich, Jugendliche aus aller Welt zum Austausch zu bewegen und gemeinsam lokale Drogenpräventions-Projekte für ihre Schulen, ihre Nachbarschaft und ihre Cliquen zu entwickeln.

Unser gemeinsames Ziel sollte es sein, junge Menschen zu aktiver Teilhabe statt passivem Zuschauen zu mobilisieren. Wenn sie die Möglichkeit bekommen, sich ernsthaft - sachbezogen und emotional - auseinanderzusetzen, entsteht ein Umfeld, in dem ehrlicher Erfahrungsaustausch und Veränderung möglich ist. In einem solchen Umfeld fassen Jugendliche Vertrauen und gewinnen Selbstbewusstsein, welches auf ihren Freundeskreis ausstrahlen kann.

Abgesehen vom Klassenzimmer ist Präventionsarbeit innerhalb der Familie von zentraler Bedeutung. Gerade junge Menschen aus armen Verhältnissen, die Erfahrungen mit Missbrauch, psychischer Krankheit, Gewalt und Drogen in ihrem Umfeld haben, benötigen dringend Unterstützung. Es gilt, einen Teufelskreis zu bekämpfen und jungen Menschen ein gesundes und selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das kann Zeit und finanzielle Mittel benötigen. Langfristige Spendenzusagen aus dem öffentlichen und privaten Sektor für evidenzbasierte Hilfsprojekte sind gerade in schwierigen Zeiten besonders wichtig.

Neue psychoaktive Substanzen bergen das Risiko einer selbsterfüllenden Prophezeiung. Der jungen Generation haben wir einmal den simplen Ratschlag gegeben: "Nehmt keine Drogen." Es scheint, dass ein solcher einfacher Ratschlag nicht ausreicht. Wie Präventionsstudien bestätigen, ist es viel wichtiger, sich in der Zusammenarbeit mit jungen Menschen weniger auf das alleinige Thema "Drogen" zu beschränken. Vielmehr ist es von grösster Bedeutung, junge Menschen ganzheitlich dabei zu unterstützen, ihre Talente zu entwickeln, um sich eine eigene Zukunft aufzubauen: eine selbstbestimmte Zukunft, in der sich Träume und Hoffungen erfüllen können - und von daher ohne das Bedürfnis nach bewusstseinsverändernden Substanzen.

Der Russe Yuri Fedotov steht seit 2010 dem UN-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung (UNOCD) vor. Er ist 65 Jahre alt. Das UNODC wurde 1997 gegründet und hat weltweit etwa 500 Mitarbeiter.

© Süddeutsche.de/beu/lala
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