MeinungMedizinstudiumSchafft endlich den NC ab!

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Kommentar von Christina Berndt

Lesezeit: 2 Min.

Weißer Kittel, Stethoskop: Aber was macht eigentlich einen guten Arzt, eine gute Ärztin aus?
Weißer Kittel, Stethoskop: Aber was macht eigentlich einen guten Arzt, eine gute Ärztin aus? Foto: Monika Skolimowska/dpa

Der CSU-Politiker Klaus Holetschek fordert, dass die Abiturnote nicht mehr über einen Medizinstudienplatz entscheidet. Endlich! Schade nur, dass seine Pläne nicht für bessere Ärzte sorgen werden.

Wo gerade so viel über Ärztemangel, Behandlungsfehler und Einsparungen im Gesundheitssystem gesprochen wird: Da möchte man auch gerne einen Wunsch anbringen. Man hätte wirklich gerne mehr und auch bessere Ärzte. Die weniger gehetzt sind, mehr Ressourcen zur Verfügung haben und auch weniger Fehler machen. Zu viele schlimme Erfahrungen hat man (neben selbstverständlich auch vielen guten) schon gemacht. Vor allem mit Ärzten, die einem in vulnerablen Phasen mit schwerer Krankheit nicht als Mensch begegneten.

Und so ließ einen, mit dieser Sehnsucht nach dem Traum-Arzt und der Traum-Ärztin, die Nachricht aufhorchen, dass der CSU-Politiker Klaus Holetschek der Allgäuer Zeitung sagte, er sei dafür, den Numerus clausus (NC) für das Medizinstudium abzuschaffen. Jene Zugangsbeschränkung, bei der der Abiturschnitt darüber entscheidet, ob junge Menschen mit Arzt-Ambitionen einen Studienplatz bekommen. Und die zugleich sehr wenig darüber aussagt, ob ein Mensch eines Tages ein guter Arzt wird.

Doch wie sähe er aus, der Traum-Arzt? Es müsste ja gar nicht so wie Sascha Hehn sein, der im TV-Epos „Schwarzwaldklinik“ stets vom Kittel bis zu den Zähnen in strahlendem Weiß brillierte. Viel wichtiger als fleckenfreier Charme und fleckenfreier Kittel wäre es jedenfalls, dass so ein Traum-Arzt das Herz am rechten Fleck hätte. Dass er ein Mensch ist, der wirklich gerne Patienten behandelt. Der bei allem Zeitdruck zumindest kurz in den Kontakt geht. Der das Medizinstudium einst begann, um wirklich Arzt zu werden, nicht Chefarzt.

Natürlich ist die geistige Leistungsfähigkeit von Ärzten nicht egal

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass es ohne NC vielleicht mehr von diesen Traum-Ärzten gäbe. Weil dann auch mehr von denen mit weniger Karrierestreben und mehr Empathie eine Chance auf einen Studienplatz hätten – zumal der NC immer weiter angezogen hat: Bekam man in den 1990er-Jahren noch mit einem 2er-Abi einen Medizinstudienplatz, war zuletzt mitunter gar eine 1,0 nötig.

Natürlich ist die geistige Leistungsfähigkeit von Ärzten nicht egal. Man möchte schon von jemandem behandelt werden, der das nicht eben geringe Wissen über Symptome und Therapieoptionen möglichst gut im Kopf behalten kann und dessen intellektuelle Fähigkeiten ausreichen, die komplexen Zusammenhänge von Körper und Pharmakologie zu verstehen.

Aber mal ehrlich: Abgesehen davon, dass ein Abiturschnitt nur bedingt etwas über Intelligenz aussagt: Um ein guter Arzt zu werden, braucht man kein Einser-Abi. Das gilt umso mehr in Zeiten digitaler Nachschlagewerke und intelligenter Apps, die jederzeit das aktuelle Prozedere bereithalten und vor gefährlichen Wechselwirkungen warnen. Helfen würde es auch, wenn im Medizinstudium mehr strukturelle Zusammenhänge, mehr wissenschaftliches Denken und die Kunst, einfühlsame Gespräche zu führen, gelehrt würden und weniger die Namen der gut 200 Knochen im Körper, von denen die meisten ohnehin bald wieder vergessen sind.

Natürlich ist der NC eine einfache und fair wirkende Methode, ein knappes Gut wie Studienplätze zu vergeben. Wie soll man auch herausfinden, wer das Zeug zum Traum-Arzt hat? Die Lösung in Österreich, wo es primär um das Abschneiden beim Medizinertest und damit ebenfalls nur um Leistung geht, ist jedenfalls auch nicht zielführender. Da sind Verfahren wie an der Reform-Universität in Witten/Herdecke, wo junge Menschen aufgrund ihrer Motivation und Persönlichkeit bewertet werden, ein besserer Weg. Slogan: Bei uns bist du Mensch und kein Numerus!

Es wäre aufwendig, keine Frage. Aber es könnte dazu beitragen, das System zu heilen. Doch der Traum vom Traum-Arzt platzte ohnehin beim näheren Hinsehen. Denn dem CSU-Politiker Holetschek geht es bei seiner Forderung nach der Abschaffung des NC gar nicht um bessere Ärzte. Er will nur mehr Ärzte gewinnen. Immerhin: Rein statistisch wächst dadurch auch die Chance, dass der eine oder andere Traum-Arzt dabei ist.

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