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Nahrungsergänzungsmittel in der Schwangerschaft:Überflüssige Supplemente

Eisen: Etwa zehn bis 20 Prozent der Schwangeren leiden an einer Eisenmangelanämie, die die Blutbildung einschränken kann. Diese Frauen sollten ein Eisenpräparat einnehmen. Die Münchner Studie zeigte aber, dass 65 Prozent der werdenden Mütter Eisenpräparate schlucken, einige von ihnen in sehr hohen Dosen. Diesen unkritischen Umgang sieht Hauner mit Sorge, denn über die Auswirkungen solch großer Mengen ist in der Schwangerschaft wenig bekannt. Auch Rechkemmer empfiehlt, beim Arzt den Eisenstatus ermitteln zu lassen, ehe Frauen in Selbstmedikation zu Eisentabletten greifen.

Überflüssig ist im Normalfall auch Magnesium. Dass dennoch 76 Prozent der Schwangeren zu dem Ergänzungsmittel greifen, kann als Erfolg der Werbung verbucht werden. Denn kaum jemand in Deutschland hat tatsächlich einen Mangel an diesem Ergänzungsmittel, auch Schwangere nicht. Eine Ausnahme allerdings nennt Rechkemmer: Studien belegen, dass Patientinnen, bei denen der Arzt ein Risiko für die so genannte Schwangerschaftsvergiftung feststellt, durch Magnesium geschützt werden könnten.

Andere Vitamine sind bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls schädlich. "Für viele wasserlösliche Vitamine wie Vitamin B6 ist die Versorgungssituation insgesamt sehr gut", sagt Koletzko. Eine zusätzliche Zufuhr lasse hier keinen Nutzen erwarten; allerdings habe sie auch keine Nachteile.

Gefährlich ist dagegen Vitamin A in hohen Dosen: Es kann zu Fehlbildungen des Kindes führen. Bei den in Apotheken und Drogerien angebotenen Ergänzungsmitteln werden solch hohe Dosierungen nicht erreicht. Doch das Max Rubner-Institut beobachtet zunehmend, dass im Internet Präparate mit bedenklich hohen Dosen angeboten werden. Dessen Präsident Rechkemmer warnt ausdrücklich davor, solche Präparate unklarer Herkunft einzunehmen.

© Süddeutsche.de/holz
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