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Nahrungsergänzungsmittel:Die Präparate können Nebenwirkungen haben

Die meisten älteren Menschen in westlichen Ländern nehmen täglich zwischen 700 und 900 Milligramm Kalzium zu sich. 1000 bis 1200 Milligramm werden aber von manchen Fachgesellschaften empfohlen, sodass kalziumhaltige Zusatzpräparate zum Einsatz kommen. In einigen Ländern wie den USA nehmen zwischen 30 und 50 Prozent aller älteren Frauen Ergänzungsmittel. Deren Verwendung ist nicht ungefährlich. Bei mehr als 1000 Milligramm, die durch Supplemente zugeführt werden, drohen kardiale Probleme durch verkalkte Kranzgefäße, Nierensteine und Magen-Darm-Beschwerden.

Die DVO, der Dachverband der deutschsprachigen Knochenexperten, rät ab dem 60 Lebensjahr auf ausreichend Bewegung zu achten und Immobilisierung zu vermeiden, um Osteoporose und Brüche zu verhindern. Ausreichende Kalorienzufuhr ist ebenso wichtig wie eine ausgewogene Ernährung, in der Milchprodukte ihren Stellenwert haben.

"Viele Menschen glauben, dass sie sich mit Kalzium-Zusatzpräparaten im Alter etwas Gutes tun", sagt Felix Beuschlein, Stoffwechselexperte an der Ludwig-Maximilians-Universität München. "Aber der aktuelle Forschungsstand zeigt, dass dies nicht nötig und nicht günstig ist. Die reine Kalzium-Substitution bringt zudem gar nichts, wenn nicht genügend Vitamin D vorhanden ist." Auf ausreichend Aufenthalt in der Sonne sowie Vitamin-D-haltige Lebensmittel wie Innereien, Fisch, Eier und Milchprodukte ist deshalb auch zu achten.

Karl Michaelsson von der schwedischen Universität Uppsala warnt im British Medical Journal davor, ältere Menschen flächendeckend krankzureden, indem Grenzwerte verändert werden (Bd. 35, S. h4825, 2015). Statt bis zu 1200 Milligramm Kalzium am Tag als Ziel zu erklären, wie dies etwa die Osteoporose-Vereinigung der USA proklamiert, gebe es gute Gründe, dass 700 bis 800 Milligramm ausreichend sind - und die werden fast immer mit der normalen Nahrung zugeführt. "Legt man die hohen Werte zugrunde, ist nahezu jeder über 50 erhöhten Risiken ausgesetzt", sagt Michaelsson. "Die Mehrzahl der Leute wird keinen Nutzen davon haben, wenn sie mehr Kalzium zu sich nimmt. Diese Massen-Medikation ist fragwürdig. Es wird Zeit, die kontroversen Empfehlungen zu überdenken."

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