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Nach vermehrten Masern-Fällen:Ruf nach Impfpflicht wird lauter

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (Archivbild von 2012): Mit schärferen Impfregeln will er die Ausbreitung der Masern in Zukunft besser eindämmen.

(Foto: dpa)

Brauchen wir in Deutschland eine Impfpflicht? Angesichts der Masern-Fälle in den vergangenen Monaten denkt die Politik darüber nach. Gesundheitsminister Bahr hatte die Verpflichtung ins Gespräch gebracht, prüft jetzt aber auch andere Impfregeln, mit denen die Ausbreitung der Krankheit verhindert werden soll.

Nach den zahlreichen Masern-Fällen in den vergangenen Jahren wird in der Politik der Ruf nach einer Impfpflicht immer lauter. "Grundsätzlich sollten nur Kinder, die geimpft sind, Kitas, Kindergärten oder Schulen besuchen dürfen", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn, der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Denn sonst gefährdeten sie andere Kinder, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können.

"Aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht ist eine Impfpflicht das einzig Sinnvolle", sagte Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery dem Spiegel. Bei Masern handelt es sich um eine hochansteckende Erkrankung mit hohem Gefahrenpotential für die nichtgeimpfte Bevölkerung. Daher wäre es gut, wenn alle Kinder geimpft wären." Allerdings sei eine Impfpflicht in Deutschland gesellschaftspolitisch schwer durchzusetzen.

Der verstärkte Ausbruch von Masern in diesem Jahr hat die Gesundheitspolitiker über Parteigrenzen hinweg alarmiert. "Wenn sich herausstellt, dass sich innerhalb eines Jahres die Impfquote nicht entscheidend verbessert, müssen wir über eine Impfpflicht nachdenken", sagte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) der Rheinischen Post.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schloss sich der Forderung an. Der Nutzen der Impfung gegen Masern übertreffe mögliche Risiken von Nebenwirkungen bei Weitem, sagte Lauterbach der Zeitung. Er ist selbst Mediziner.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte eine Impfpflicht ins Gespräch gebracht, nachdem im ersten Halbjahr 2013 mehr als 900 Masernfälle in Deutschland gemeldet worden waren. Im neuen Spiegel sprach er nun auch von anderen Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Krankheit. So prüften seine Beamten, ob nichtgeimpfte Schüler bei einem Ausbruch der Erkrankung in ihrer Schule befristet vom Unterricht ausgeschlossen werden können. Bisher gibt es diese Möglichkeit demnach nur für erkrankte Kinder.

Außerdem erwägt Bahr, die Gesundheitsämter zu verpflichten, künftig schon bei der Aufnahme eines Kindes in den Kindergarten den Impfstatus abzufragen. Derzeit geschieht dies zu Schulbeginn. Allerdings könnten beide Maßnahmen erst nach der Wahl vom Bundestag verabschiedet werden.

Der Obmann der FDP im Gesundheitsausschuss, Jens Ackermann, sagte der FAS, eine Impfpflicht sei nicht durchsetzbar. "Sollen Eltern, die sich gegen die Impfung ihrer Kinder weigern, ins Gefängnis?" Das sei "Unsinn", sagte Ackermann. Auch der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Jan Leidel, wertete eine Impfpflicht bei Masern als kontraproduktiv. Wichtiger seien Aufklärung und Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten, sagte er dem Blatt.

Laut einer Umfrage gibt es aber auch viel Unterstützung für eine Impfpflicht: 80 Prozent der Befragten sprachen sich für eine solche Regelung aus, teilte die Krankenkasse DAK-Gesundheit mit, welche die repräsentative Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben hatte.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat das feste Ziel, die Masern bald auszurotten. Dabei steht Deutschland noch nicht optimal da. Allein im ersten Halbjahr 2013 wurden dem Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) mehr als 1070 Fälle gemeldet, der Großteil davon in Bayern (478) und Berlin (400).