Süddeutsche Zeitung

Mittel gegen Grippe:Fieber senken und Ruhe bewahren

Eine Virus-Grippe ist eine schwere Erkrankung. Wirkungsvolle Medikamente sind rar. Was bei einer Influenza dennoch Erleichterung bringt.

Im Winter preisen die Apotheken jede Menge "Grippemittel" an. Kombinationspräparate wie Grippostad C, Wick MediNait und Wick DayMed erwecken den Eindruck, dass man die komplette Erkrankung mit einer Pille oder einem Löffel Saft loswerden kann.

Doch weder bei einer Erkältung noch bei einer echten Virusgrippe sind diese Kombinationsmittel wirklich sinnvoll. In vielen Fällen reicht die Dosis der einzelnen Wirkstoffe nicht aus, um effektiv Linderung zu verschaffen - oder die Wirkung ist gar nicht erst bewiesen.

So ist in Wick DayMed und Wick MediNait das Hustenmittel Dextromethorphan nur gering dosiert und dürfte kaum Wirkung zeigen. Was die Kombinationspräparate sogar gefährlich machen kann, sind ihre Hauptbestandteile: die Schmerzmittel Paracetamol (wie in Grippostad C, Wick MediNait und Wick DayMed sowie Doregrippin) und Aspirin (beispielsweise in Aspirin Complex). Oft wissen Kranke gar nicht um die enthaltenen Analgetika und schlucken zusätzlich noch das gleiche Schmerzmittel gegen ihr Kopfweh oder das Fieber.

Damit besteht die Gefahr, dass die empfohlene Dosis überschritten wird. Bei einer Paracetamol-Überdosierung können schwere Leberschäden auftreten. Hohe Dosen von Aspirin führen zu Blutungen.

Wenig sinnvoll sind Antibiotika bei einer Influenza. Diese Medikamente bekämpfen Bakterien. Den Viren, die die Grippe auslösen, können sie nichts anhaben.

Unklar ist die Wirkung des Grippemittels Tamiflu. Der Hersteller Roche hält Studien zur Wirksamkeit zurück, so dass eine Einschätzung schwierig ist. Ohnehin wird das Medikament nur bei Risikopatienten empfohlen. Mehr zu dem umstrittenen Medikament erfahren Sie hier.

Günstiger ist, wenn Erkrankte, wie bei einer Erkältung auch, ihre Symptome einzeln lindern. Bei Fieber und Schmerzen helfen Erwachsenen Acetylsalicylsäure (Aspirin), Paracetamol, Ibuprofen und Diclofenac. Für Kinder sind Paracetamol und Ibuprofen geeignet. Schwangere dürfen während der gesamten Schwangerschaftszeit Paracetamol nehmen.

Auch wenn Großmutter seit Jahrzehnten darauf schwört, die Anwendung von Wadenwickeln zur Fiebersenkung ist nicht untersucht. Wer die uralte Methode ausprobieren will, sollte sanft vorgehen, um den Kreislauf nicht zu überfordern. Die Umschläge sollten nicht bei Menschen mit Schüttelfrost oder kalten Füßen angewendet werden. Außerdem sollten die Wickel nicht eiskalt, sondern lauwarm sein. Sie verbleiben etwa 20 bis 30 Minuten um die Unterschenkel gewickelt. Bei Kindern kann man die Wickel auch um den Oberkörper anwenden.

Was lindert Husten?

Husten lässt sich schlechter bekämpfen. Die Schleimlöser mit den Arzneistoffen Ambroxol und Acetylcystein führen Studien zufolge nur zu einer kleinen Verbesserung. Für Erwachsene und Kinder über zwei Jahren scheinen die Mittel gut verträglich zu sein. Für jüngere Kinder gibt es nicht genügend Daten, die die Unbedenklichkeit belegen.

Hustenblocker, wie in NeoTussan, Wick Medinait und Wick Daymed enthalten, konnten in Studien ebenfalls nur geringe Wirkung zeigen. Für Kinder ist die Effektivität dieser Präparate nicht nachgewiesen. Bei ihnen können jedoch ernste Nebenwirkungen auftreten: Nervosität und Aufgeregtheit oder aber starke Müdigkeit und Verwirrung gehören dazu.

Auch pflanzliche Präparate konnten - soweit überhaupt untersucht - bei Husten kaum überzeugen. Mehr über die gängigen Medikamente und Hausmittel bei Husten erfahren Sie in diesem Überblick.

Wichtig ist, sich bei einer Grippe zu schonen. Solange das Fieber anhält, sollten Erkrankte im Bett bleiben. Patienten müssen außerdem viel trinken. Das verhindert, dass der Körper beim Schwitzen austrocknet. Spätestens wenn das Fieber nach drei Tagen noch nicht gesunken oder Atemnot eintritt, sollte ein Arzt gerufen werden.

(Quellen: Robert Koch-Institut, Berufsverband der Lungenärzte, Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte.)

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