Milliardenüberschuss im Gesundheitswesen Medizin kann zur Bedrohung werden

In dieser Kombination wird Medizin manchmal sogar zur Bedrohung für Patienten. So ist nur jede vierte der als Stent bezeichneten Gefäßstützen bei Herzkranken tatsächlich medizinisch angezeigt und die Zementierung von Wirbelkörpern bei Osteoporose mit mehr Nach- als Vorteilen verbunden. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Das nun plötzlich im Gesundheitswesen entdeckte Geld kann sinnvoll genutzt werden: Damit lassen sich die Beiträge für Versicherte senken, endlich kann die Praxisgebühr abgeschafft werden und obendrein sind die Krankenversicherer trotzdem noch in der Lage, Rücklagen zu bilden. Möglich sind alle diese Schritte, wenn die bemerkenswerte Kassen-Reserve als Signal zum Aufbruch verstanden wird.

Das Signal sollte jedoch nicht so verstanden werden, dass jede Lobbygruppe ihre Sparbemühungen rückgängig machen oder Überschüsse ausgeschüttet bekommen will. Vielmehr geht es darum, nach den vielen weiteren Einsparmöglichkeiten in der Medizin zu suchen - nicht, damit die Heilkunde günstiger, sondern damit sie besser wird. Und besser wird sie vor allem dann, wenn auf Unnötiges verzichtet wird, das Patienten gefährdet statt ihnen zu helfen.

Die Bürger sollten Beiträge erstattet bekommen, damit sie spüren, dass sie doppelt profitieren, wenn die Medizin besser und günstiger wird. Ärzte sollten dabei die natürlichen Verbündeten ihrer Patienten sein und ihnen vermitteln, dass sie nicht an ihnen sparen, sondern ihnen Leid ersparen, wenn sie weiter auf Schatzsuche gehen und überflüssige Methoden streichen. Ob diese Umkehr zu einer rationalen und besseren Medizin mit dem Gesundheitsministerium zu machen ist, darf indes bezweifelt werden. Solange die Riege um FDP-Minister Bahr Gesundheit vor allem als Wachstumsmarkt auffasst, wird sie die Devise "Weniger ist mehr" nicht als Patientenschutz verstehen, sondern als bedrohlichen Konjunktureinbruch für die Medizinindustrie.