Coronavirus:Gefährliche Sätze vom Stiko-Chef

Lesezeit: 2 min

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Stiko-Chef Mertens sagt, dass er sein Kind wahrscheinlich derzeit nicht gegen Covid impfen lassen würde. Was für ein fatales Signal. (Symbolbild)

(Foto: imago images/Laci Perenyi)

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, sagt in einem Podcast, er würde wahrscheinlich sein Kind derzeit nicht impfen lassen. Damit untergräbt er die Arbeit seiner eigenen Institution.

Kommentar von Felix Hütten

Mikrofone sind tückisch, live auf Sendung bekommen derzeit viele Virologinnen und Immunologen knifflige Fragen gestellt, die Welt lauscht gespannt, Menschen sorgen sich und suchen Halt. Klar, wer sollte besser Rat wissen als jene, die sich täglich mit den Details dieses kleinen, fiesen Virus befassen? Doch genau hier wird es kompliziert, denn jeder Satz, und sei er auch nur so dahin gesagt, kann schwere Folgen haben, Zweifel und Ängste verstärken, Mut nehmen.

Dem Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, ist nun ein solcher Ausrutscher im Podcast der Frankfurter Allgemeinen Zeitung passiert: Dort wurde er gefragt, ob er sein sieben- oder achtjähriges Kind gegen Covid impfen lassen würde. Mertens antwortete: Nein, wahrscheinlich würde er das derzeit nicht tun. "Mertens würde eigene Kinder nicht impfen" titelten Zeitungen. Der Satz saß.

Es sind nur wenige Worte, vielleicht unbedacht geäußert, doch sie reihen sich ein in die oftmals ungeschickte Kommunikationsstrategie der Stiko. Mit seiner öffentlich geäußerten Privatmeinung untergräbt Mertens die Arbeit seiner eigenen Institution, die stets betont, nicht auf Druck von außen zu reagieren, sondern nur auf der Basis von Daten zu entscheiden.

Doch genau darum geht es: Mertens selbst brachte im Gespräch auf, dass Daten fehlten, um mögliche Komplikationen durch die Impfung sicher ausschließen zu können. Im selben Gespräch verwies er allerdings auch darauf, dass die Angst vor Langzeitfolgen nach der Infektion derzeit nur schwer mit Daten zu bestätigen sei. Beides ist formal korrekt, und doch begibt sich Mertens hier in einen Kommunikationsspagat.

Zwischen den Zeilen nämlich schwingt mit, dass Kinderimpfungen in Abwägung zur Infektion die schlechtere Alternative sein könnten, garniert mit seinem persönlichen Bauchgefühl. Egal, was die Stiko fortan empfiehlt, es wird Eltern geben, die werden an diesem Gedanken hängen bleiben: Virus hin oder her, die Impfung könnte meinem Kind schaden. Und das ist eine Katastrophe.

Vielleicht wäre es für die Zuhörer interessant gewesen, hätte Stiko-Chef Mertens im Interview erwähnt, dass in den USA die großen Pädiatrischen Fachverbände wie auch die mächtige US-Gesundheitsbehörde CDC schon längst ausdrücklich zur Kinderimpfung raten. Warum? Nach allem, was man derzeit weiß, ist für alle Menschen die Infektion mit Sars-CoV-2 die schlechtere Alternative. Auch für Kinder.

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