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Mers:Der Erreger im Dromedar

Mindestens 182 Menschen haben sich bislang mit dem Mers-Erreger infiziert. Doch woher kommt das Virus? Eine neue Studie spricht für Kamele als Quelle. Denn in Saudi-Arabiens Dromedaren ist der Erreger weit verbreitet - und dies offenbar schon seit längerem.

Drei Viertel aller Kamele Saudi-Arabiens sind mit dem Mers-Virus infiziert. Das hat eine landesweite Untersuchung von Blut- und Kotproben sowie Nasensekreten der Tiere ergeben ( mbio, online). Das spricht für die These, wonach die Höckertiere der Ausgangspunkt waren für Infektionen mit dem Mers-Erreger (Middle East Respiratory Syndrom Coronavirus), die seit September 2012 bei Menschen festgestellt werden. Dort kann das Virus zu einer schweren Lungenentzündung führen. Bislang haben sich mindestens 182 Menschen angesteckt, vor allem auf der arabischen Halbinsel. 79 der Infizierten sind gestorben.

Vermutlich wurde das Virus von Tieren auf den Menschen übertragen. Kamele gelten als eine mögliche Quelle. Doch wann und wie der Erreger übergesprungen ist, konnte bisher ebenso wenig geklärt werden wie die Frage, ob auch andere Tiere als Reservoir in Frage kommen. Dromedare, die selbst nicht an Mers erkranken, gelten weiterhin als Hauptverdächtige. Aus Saudi-Arabien, das bislang die meisten menschlichen Mers-Infektionen gemeldet hat, fehlten allerdings bislang handfeste Daten über infizierte Dromedare.

Diese Angaben hat nun ein Team um Abdulaziz Alagaili von der King Saud University in Riad geliefert. Die Forscher untersuchten Proben von 203 Dromedaren aus verschiedenen Landesteilen. Von den erwachsenen Tieren trugen mehr als 80 Prozent Antikörper des Erregers in sich. Bei jüngeren Tieren schwankte die Infektionsrate zwischen 90 Prozent im Osten und fünf Prozent im Südwesten des Landes.

Zudem analysierten die Forscher 20 Jahre alte Proben und fanden auch in diesen Hinweise auf das Mers- oder ein nah verwandtes Virus. Dies lässt vermuten, dass der Erreger - oder ein ihm sehr ähnlicher - bereits länger unter Dromedaren kursiert. Allerdings könnten auch Menschen bereits vor 2012 am Mers-Erreger erkrankt sein, ohne dass dies erkannt worden wäre. Nicht klären kann die aktuelle Studie, ob der Erreger womöglich zwischen Mensch und Tier hin und her pendelt.