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Tinnitus:Versuche mit Magnetstimulation

Neurologen vermuten, dass eine gestörte Nervenfunktion die neuronale Aktivität in den bei Tinnitus-Patienten veränderten Hirnarealen beeinflusst. Forscher der Universität Oregon haben kürzlich im Fachmagazin JAMA Otolaryngology Head and Neck Surgery (online) berichtet, dass Patienten mithilfe elektromagnetischer Pulse geholfen werden konnte.

Das Team um Hörforscher Robert Folmer hatte 70 Patienten in zwei Gruppen eingeteilt, die entweder an zehn aufeinanderfolgenden Arbeitstagen 2000 elektromagnetische Pulse pro Sitzung durch die Schädeldecke bekamen - oder eine zeitlich genauso umfangreiche Placebotherapie. Bei der Scheinbehandlung wurde eine identisch aussehende Spule verwendet. Linderung trat innerhalb der ersten Woche ein. Auf einer Skala der subjektiven Einschränkungen gaben die Teilnehmer an, dass sich ihr Befinden um 30 Prozent verbessert hatte, die Linderung nach der Placebobehandlung betrug nur sieben Prozent.

"Die Magnetstimulation kann nicht die herkömmlichen Tinnitus-Strategien ersetzen", sagt Robert Folmer, der weiß, dass seine vergleichsweise kleine Untersuchung erst noch in größerem Umfang bestätigt werden muss. "Aber als Ergänzung für Patienten, bei denen die anderen Behandlungsformen nicht anschlagen, ist das vermutlich eine gute Option."

In Leitlinien wird an der Magnetstimulation kritisiert, dass sie nur so lange wirkt, wie die Pulse in den Schädel gelangen - und der Effekt bald danach wieder nachlässt. "Man muss Geduld haben und sehen, was bei wem erfolgreich ist", sagt Ulrich Stattrop. "Manchen unserer Patienten hilft beispielsweise Musik. Die Geräusche von außen verdecken den Dauerton und der Leidensdruck wird geringer." Vielleicht trägt ja auch der Pfeifton der Lokomotive in Prien dazu bei, dass es einigen Patienten nach dem Besuch am Chiemsee etwas besser geht.