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Medikamentenallergie:Hauttest und Bluttest

Nach einem begründeten Verdacht kann ein Hauttest weiterhelfen. "Allerdings sind Hauttests bei Arzneimitteln nicht so aussagekräftig wie bei Pollenallergien", sagt Knut Brockow, Hautarzt und Allergieexperte am Klinikum rechts der Isar in München. Nur in etwa zehn bis 20 Prozent der Fälle kann der Test eine Allergie nachweisen. Dieses Ergebnis ist dann sehr zuverlässig. Dagegen sagt ein negatives Testergebnis noch nicht viel aus. Am besten funktionieren die Tests bei Penicillin: "Hier werden 70 Prozent der Überempfindlichkeitsreaktionen durch den Hauttest bestätigt", sagt Brockow.

Hauttests sollten sechs bis acht Wochen nach Abklingen der allergischen Reaktion veranlasst werden. Der einfachste ist der Pricktest. Er wird vor allem bei Sofortreaktionen, etwa der Nesselsucht oder einem anaphylaktischem Schock, genutzt. Der Epikutan- oder Pflastertest bewährte sich eher bei Spätreaktionen mit einem verzögerten großflächigen Hautausschlägen, genannt Exantheme. Dazu bleibt das mit dem Allergen getränkte Pflaster einen Tag auf der Haut. Dann wird sofort und an zwei oder drei weiteren Tagen die Testreaktion abgelesen.

Am empfindlichsten und aussagekräftigsten ist der Intrakutan-Test, der auch schwächeren Allergenen auf die Spur kommt. Hierbei wird das verdünnte Medikament unter die Haut gespritzt. Nach 15 Minuten wird die Sofortreaktion und an den Folgetagen die Spätreaktion erfasst.

Weniger geeignet ist bei Medikamentenunverträglichkeiten der Bluttest. Die Schwierigkeit besteht darin, nach dem richtigen Antikörper zu suchen. Denn nicht immer muss der Wirkstoff selbst die allergische Reaktion auslösen. "Manchmal wird sie auch durch Ab- und Umbauprodukte des Medikaments, so genannte Metaboliten, hervorgerufen", sagt Klein-Tebbe. In seltenen Fällen können auch Zusatzstoffe, wie Konservierungs-, Farb-, Duft-, Süßstoffe oder Emulgatoren Auslöser sein. Und oft liegt den allergieähnlichen Symptomen keinen echte, sondern eine Pseudo-Allergie zugrunde. Dann fehlen die IgE-Antikörper, nach denen der Bluttest fahndet, gänzlich.

Echte und Pseudo-Allergien

Verträgt ein Mensch ein Medikament nicht, ist meist keine echte Allergie, sondern eine sogenannte Pseudo-Allergie dafür verantwortlich. Beide unterscheiden sich durch ihre Ursachen. Bei einer echten Soforttyp-Allergie bildet der Organismus Antikörper, sogenannte Immunglobuline (IgE). Sie bringen Mastzellen dazu, Histamin und andere Botenstoffe freizusetzen, was zu den typischen Beschwerden führen kann. Bei einer Pseudo-Allergie, auch Intoleranz genannt, führen nicht Antikörper zu einem Überschuss an Botenstoffen wie Histamin, sondern andere Fehlfunktionen. Eine Pseudo-Allergie hat nichts mit Einbildung zu tun. Die Beschwerden gleichen oder ähneln einer echten Allergie.

Verläuft der Hauttest ebenfalls negativ, bringt letztlich nur ein Provokationstest Gewissheit. Mit einem Provokationstest kann der Arzt ultimativ abklären, ob es sich um eine echte allergische oder pseudo-allergische Reaktion handelt. Dafür müssen Patienten meist in einer Klinik stationär aufgenommen werden. Unter ärztlicher Aufsicht wird das Mittel dann in geeigneter Dosierung verbreicht. Allerdings gibt es nur wenige Kliniken, die diese Tests durchführen. Brockow: "Nur bei 10 bis 20 Prozent der Patienten bestätigt sich tatsächlich eine Unverträglichkeit. In allen anderen Fällen kann das Medikament als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen werden."

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