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Medikamentenallergie:So kommen Patienten dem Auslöser auf die Spur

Wer nach der Medikamenteneinnahme Hautausschläge oder andere Beschwerden bekommt, glaubt schnell an eine Unverträglichkeit. Ein Allergietest kann Gewissheit bringen. Die Diagnostik ist schwierig, aber lohnend. Dagegen kann eine vorsorgliche Abklärung ohne jeden Verdacht mehr schaden als nützen.

Quaddeln, Ödeme, Atemnot - nach der Einnahme von Arzneimitteln deuten solche Symptome meist auf eine Unverträglichkeit hin. Patienten sind dann oft ratlos. Sollte ich das Medikament künftig einfach weglassen oder der Ursache nachgehen? Wie kommt man dem Auslöser auf die Spur? Was bringt mir eine Abklärung überhaupt?

Generell gilt: Allergieähnliche Symptome auf ein Medikament sollten Patienten immer von einem Hautarzt oder Allergologen übertprüfen lassen, um den Verdacht in Gewissheit zu verwandeln. Liegt tatsächlich eine Unverträglichkeit zugrunde, können sich beim nächsten Mal die Beschwerden verschlimmern. Auch das Risiko für einen anaphylaktischen Schock steigt.

Anaphylaktischer Schock

Der anaphylaktische Schock ist die schwerste Form der allergischen oder pseudoallergischen Reaktion auf Medikamente. Dabei werden plötzlich Botenstoffe wie das Histamin massiv ausgeschüttet, so dass sich die Blutgefäße stark weiten. Der Blutdruck sinkt schlagartig ab. Im schlimmsten Fall kann es zum Kreislaufstillstand kommen. Vorboten können plötzliche Gesichtsrötung, juckende Handteller und Fußsohlen, schwerste Atemnot und Todesangst sein. Eine Anaphylaxie tritt in der Regel innerhalb einer Stunde nach Verabreichung auf, oft schon nach einigen Minuten. Zu den häufigsten Auslösern unter den Medikamenten gehören Anästhetika, Antibiotika und Röntgenkontrastmittel. Bei Symptomen einer Anaphylaxie sollte der Patient hingelegt, die Beine hochgelagert und der Notarzt gerufen werden. Die hochgelagerten Beine unterstützen die Blutversorgung des Gehirns. Mit einer Adrenalin-Injektion, Infusion von Flüssigkeit und Antihistaminika- und Cortisongaben bekommt der Notarzt die Reaktion wieder in den Griff.

Allerdings wird - häufig aus Mangel an Kenntnis - nur selten eine gründiche Diagnostik eingeleitet. "Medikamentenallergien aufzuklären ist anspruchsvoll und braucht Zeit", sagt Jörg Klein-Tebbe, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Allergie und klinische Immunologie und Hautarzt am Berliner Allergie- und Asthma-Zentrum Westend. Es gibt deshalb kaum niedergelassene Ärzte, die die nötigen Tests durchführen. Die werden fast ausschließlich in spezialisierten Hautkliniken angeboten.

Wegen der vielen Wirkstoffe, die als Auslöser in Frage kommen, können die Tests kompliziert und zeitaufwändig sein. "Das A und O ist eine gründliche Anamnese", betont Klein-Tebbe. "Dabei kann ein zeitnahes, akribisch geführtes Protokoll vom Patienten selbst extrem hilfreich sein." Das sollte zum Beispiel die Zeiten enthalten, wann das Medikament eingenommen und abgesetzt wurde, wann erste Symptome auftraten, welche das waren und ob ähnliche Beschwerden schon einmal beobachtet wurden. Liegt die Einnahme schon einige Zeit zurück, wird es besonders schwierig.

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