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Masern in Bayern:Die Krankheit kann grausame Folgen haben

Diese wiederholen unermüdlich ihre in vielerlei Hinsicht mehrfach widerlegten Warnungen. So wird in Internetforen noch immer die Legende verbreitet, die bei Kindern routinemäßig eingesetzte Kombinations-Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln ("MMR-Impfung") könne Autismus auslösen. Diese Behauptung setzte der britische Arzt Andrew Wakefield 1998 in die Welt. Längst ist seine These widerlegt und seine Arbeit als Fälschung enttarnt. Doch noch immer verweisen Impfgegner auf ihn, um vor der Immunisierung zu warnen. Hinzu kommt der Irrglaube, die sogenannten Kinderkrankheiten seien notwendig, um das kindliche Immunsystem in irgendeiner Form zu trainieren. "Das härtet ab, da muss jeder durch" - wenn es um Masern geht, kann diese Einstellung lebensgefährlich sein.

Matysiac-Klose vom RKI kennt außer der bewussten Impf-Verweigerung noch weitere Gründe, warum manche Kinder nicht ausreichend vor einer Infektion geschützt sind. Eltern vergäßen die Impfung zuweilen schlicht. Das gilt vor allem für die zweite Immunisierung, die für einen vollen Schutz notwendig ist. "Die Gründe, warum Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen, sind so vielfältig wie die Menschen selbst", sagt die RKI-Expertin.

Dabei sind Masern, anders als es die verharmlosende Bezeichnung "Kinderkrankheit" suggeriert, alles andere als ein banales Wehwehchen. Vielmehr handelt es sich um eine ernst zu nehmende Krankheit - die auch tödlich verlaufen kann. Nicht nur die Masernviren selbst sind das Problem. Auch wenn die akute Phase der Krankheit mit Fieber, Husten, Schnupfen und Hautausschlag nach etwa einer Woche überstanden ist, schwächen die Erreger noch wochenlang das Immunsystem des Körpers. So fällt es anderen, mitunter verheerenden Krankheiten wie etwa einer Lungenentzündung leichter auszubrechen.

Die gefürchtetste Folge einer Maserninfektion aber zeigt sich erst Jahre später: eine besonders aggressive Form der Gehirnentzündung, die sogenannte SSPE. Sie trifft etwa einen von 10.000 Infizierten, meist Patienten, die sich schon als Baby mit den Viren angesteckt haben. "Diese Gehirnentzündung gehört zu dem Grausigsten, was es gibt", sagt der Münchner Arzt von Kries. Erkrankt ein Kind an SSPE, verliert es nach und nach seine Fähigkeiten, wird erst nur ein bisschen schusselig, kann dann nicht mehr laufen, irgendwann auch nicht mehr atmen und stirbt schließlich.

Doch diese Spätfolge kennen heute nur noch wenige Menschen - und nehmen Masern daher häufig nicht mehr ernst. Aus der Sicht vieler hat die Krankheit ihren Schrecken verloren. In einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) hielt jeder Dritte der 3000 Befragten Masern für eine harmlose Krankheit. Eine Bevölkerungsgruppe, die sich meist besonders wenig um Krankheiten und deren Vermeidung sorgt, sind Jugendliche und junge Erwachsene.

Doch stecken sich seit einigen Jahren auch Menschen dieses Alters vermehrt mit Masern an. Bei ihnen nimmt die Krankheit häufiger einen schweren Verlauf als bei Kindern. Ärzte empfehlen daher, dass sich auch junge Erwachsene impfen lassen sollten, falls sie noch nicht ausreichend geschützt sind. Doch viele Betroffene wissen nicht einmal von dieser Empfehlung, wie eine Umfrage der BzgA gezeigt hat.

© SZ vom 15.05.2013
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