Masern-Impfung Finnland: Europas Erfolgsgeschichte

Wenn es ums Thema Impfen geht, schauen Experten bewundernd nach Finnland. Dem skandinavischen Land gelang es als erstem Staat der Welt, sowohl die Masern als auch Mumps und Röteln zu eleminieren. 1996 war Finnland Masern-frei, ein Jahr später erfolgte der Sieg über die anderen beiden Infektionskrankheiten.

1982 begann die Kampagne - groß angelegt aber ohne jeden Zwang für die Bevölkerung. Finnland profitierte dabei von einem gut ausgebauten Netz an Gesundheitseinrichtungen für Kinder. In dem 5,4-Millionen-Einwohner-Land gibt es etwa 1000 Kindergesundheitszentren, in denen der Großteil der Vakzine verabreicht wurde. 2500 Krankenschwestern wurden geschult und mit Informationsmaterial ausgestattet, um mit Eltern auch über Sorgen bezüglich der Impfung zu sprechen. Eine Medienkampagne begleitete das Vorhaben.

In einem zweiten Schritt wurde die Impfung von Kindern auf weitere Bevölkerungsgruppen ausgeweitet: auf ungeimpfte Jugendliche, Mitarbeiter im Gesundheitssektor und Armeeangehörige.

Im vergangenen Jahr wurden nur drei Masern-Fälle in Finnland gemeldet. Doch beruhigt zurücklehnen können sich auch die Finnen nicht. Die Infektionskrankheit kann jederzeit aus anderen Ländern eingeschleppt werden und dann jene treffen, die nicht geimpft wurden, weil sie noch zu klein dazu sind, weil sie an anderen Krankheiten leiden oder die Immunisierung verpasst haben. Länder, in denen die Masern nach wie vor grassieren, gibt es genug: Die WHO zählte 2014 für ihre Europa-Region (zu der auch Russland und asiatische ehemalige Sowjetrepubliken zählen) etwa 22 000 Masern-Fälle. Mit knapp 7500 gab es die meisten registrierten Masern-Erkrankungen in Kirgistan. Aus Bosnien und Herzegowina wurden 5340 Fälle gemeldet, aus Russland und Georgien jeweils knapp 3300. In Italien steckten sich seit Anfang vergangenen Jahres knapp 1700 Menschen an.

Impfpflicht "Der Staat sollte uns nicht zwingen" Video
Videoumfrage zur Impfdebatte

"Der Staat sollte uns nicht zwingen"

Nachdem in Berlin ein Kind an Masern gestorben ist, fordern Politiker eine Impfpflicht. Was halten die Bürger davon? Wir haben uns umgehört.

Berit Uhlmann, München