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Masern-Impfung:Ein sinnvoller Stich

Impfung

145 Jahre nach der ersten Impfpflicht - gegen Pocken - in Deutschland, soll nun der Masernschutz gesetzlich vorgeschrieben werden. <ET>

(Foto: dpa)

Der Begriff "Kinderkrankheit" ist irreführend: Die Masern zählen zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten. Doch nicht genug Menschen sind geimpft. Warum die Immunisierung nötig ist - und was Eltern beachten sollten.

Von Christina Berndt und Katrin Blawat

Masern, Mumps und Keuchhusten gelten als harmlose Kinderkrankheiten. Doch nun gibt es Masern-Ausbrüche in Bayern und Berlin mit jeweils Hunderten Infizierten; fast 40 Prozent von ihnen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Zudem schlugen Wissenschaftler Alarm, weil nur jedes dritte Kind ausreichend und rechtzeitig nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) gegen Masern geimpft wird. Was ist dran an der Angst vor den Kinderkrankheiten - und wie groß ist das Risiko der Impfungen? Die SZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Weshalb wird nun ausgerechnet um die Masern so ein Aufhebens gemacht?

Kinderkrankheiten wie die Masern heißen nicht so, weil sie niedlich oder harmlos wären. Vielmehr sind sie so ansteckend, dass Menschen schon in jungen Jahren erkranken, wenn es keinen Impfschutz gibt. Viele Kinderkrankheiten können schwerwiegende Folgen haben, bei den Masern zum Beispiel Lungen- und Gehirnentzündung. Bis zu drei von tausend Kindern sterben daran, sagt Maike Schulz vom Versorgungsatlas der kassenärztlichen Vereinigungen. Noch nach Jahren machen sich die Masern bei einem von 3300 Kindern als Spätkomplikation SSPE bemerkbar - einer tödlichen Entzündung des gesamten Gehirns.

Wie gut schützen Impfungen?

Die im Impfkalender empfohlenen Impfungen bieten einen fast vollständigen Schutz. Dazu müssen manche Impfstoffe, etwa gegen Pneumokokken, Windpocken oder Hepatitis B, mehrmals gespritzt werden, damit der Körper genug Antikörper gegen die Krankheitserreger bildet. Bei der Masernimpfung bietet der erste Piks bereits einen lebenslangen Schutz, aber drei Prozent der Impflinge sprechen auf das Mittel nicht an. Deshalb wird sicherheitshalber zweimal geimpft.

Kommt man nicht auch ohne Impfung gut durchs Leben?

"Der große Feind der Impfung ist ihr Erfolg", sagt der Kinderarzt Martin Terhardt vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Wer nicht impft, kommt oft folgenlos davon, weil viele der Krankheiten selten geworden sind. Ihre schwerwiegenden Folgen sind daher fast vergessen. Um die Masern auszurotten, wäre eine höhere Impfquote nötig, sagt Terhardt. Auch stellt man nur durch einen umfassenden Impfschutz der Bevölkerung sicher, dass ungeimpfte Babys und Menschen, die wegen chronischer Leiden nicht geimpft werden können, sich nicht mit der für sie besonders gefährlichen Krankheit anstecken.

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