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Marihuana:US-Drogenbehörde stuft Cannabis in höchste Gefährdungsklasse ein

Jaclyn Stafford

Ein Cannabis-Verkaufsstelle in Colorado. Obwohl Marihuana in 25 US-Staaten für Kranke zugelassen ist, gilt es offiziell als sehr gefährlich.

(Foto: AP)
  • Die US-Drogenbehörde DEA führt Cannabis weiterhin in der obersten Gefährdungskategorie. Zugleich will sie den Anbau von Marihuana zu Forschungszwecken erleichtern.
  • Dennoch fürchten Wissenschaftler, dass die Eingruppierung von Marihuana die Forschung erschwert.
  • Bislang gibt es keine belastbaren Erkenntnisse über den Nutzen von medizinischem Cannabis.

In vier US-Staaten darf bereits zur eigenen Belustigung gekifft werden. In 25 Bundesstaaten ist Cannabis als Medizin zugelassen. Und doch bleibt die US-Drogenbehörde DEA bei einer Einschätzung, von der sie selbst zugibt, dass sie "seltsam" erscheine. Sie stufte Marihuana am Donnerstag erneut als Droge der höchsten Gefährdungskategorie I ein. Der Joint gilt weiterhin als bedrohlicher als Kokain und Crystal Meth und steht auf einer Stufe mit Heroin und Ecstasy. Die Gemeinsamkeiten dieser Substanzen sind in der DEA-Logik: ein hohes Potenzial für Missbrauch und kein anerkannter medizinischer Nutzen.

Die Behörde wies damit die Petitionen von zwei Senatoren ab. Sie stellte in ihrer Begründung klar, dass es bei dieser Einstufung weniger um das Gefahrenpotenzial der Hanfpflanze gehe, sondern um die nicht belegten Effekte als Heilmittel. Das Problem ist nur, dass genau dieses Urteil die Erkundung des potenziellen Nutzens enorm erschwert.

Für Drogen der Stufe I gelten strenge Auflagen. US-Forscher müssen einen so hohen Aufwand an Bürokratie und Sicherheit in Kauf nehmen, dass Studien langwierig und teuer werden. Dabei sind die USA das Land, aus dem traditionell ein Großteil der wissenschaftlichen Studien kommen. Bis heute aber fehlen große Untersuchungen, die Cannabis und gängige Medikamente an einer Vielzahl von Patienten vergleichen.

Damit gibt es lediglich Hinweise, dass Cannabis Schmerzen und Muskelkrämpfe bei Multiple-Sklerose-Patienten lindern kann. Dass es Aids-Kranken zu mehr Appetit verhelfen kann und jene Übelkeit mindert, die Krebspatienten während der Chemotherapie spüren. Bei anderen Anwendungen - von Glaukom bis Epilepsie - sind die Wirkungen noch unsicherer.

Nicht viel ausgeprägter sind die Erkenntnisse über die Nebenwirkungen. Bisherige Erfahrungen sprechen dafür, dass eine niedrig dosierte Cannabis-Therapie bei Erwachsenen auf kurze Sicht kaum schwerwiegende Nebenwirkungen hat. Doch über Langzeiteffekte, die zum Beispiel Patienten mit chronischen Schmerzen erleiden könnten, ist so gut wie nichts bekannt.

Immerhin eine Hürde will die DEA allerdings beseitigen: Es soll künftig für Forschungseinrichtungen leichter werden, medizinisches Cannabis anzubauen. Damit sollte es besser verfügbar sein. Ob dies die Wissenschaft ankurbelt, bleibt abzuwarten. Die New York Times zitiert Experten, die den besseren Zugang zu Forschungs-Cannabis als wichtiger ansehen als die Einstufung der Droge. Andere kritisieren, dass die offizielle Klassifizierung die Scheu der Wissenschaftler zementiere. Das würde bedeuten, dass sich eine zunehmende Zahl von Kranken in Trial-and-Error-Manier selbst mit Grass zu heilen versucht - mit allen Risiken, vor denen die DEA warnt.

© SZ.de/chrb

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