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Mädchen oder Junge:Einflussfaktor Stress

Dass Frauen mit schlechterem Ernährungsstatus eher Mädchen zur Welt bringen, erklärten die britischen Forscher mit evolutionsbiologischen Ansätzen. In Krisenzeiten sind Mädchen die bessere Wahl, denn ein schlecht genährtes Mädchen hat eine größere Chance, einen Fortpflanzungspartner zu finden, als ein schlecht genährter und schwächlicher Junge, der seinen Konkurrenten unterliegen würde.

Unklar bleibt, über welchen Mechanismus sich die Ernährung auf das Geschlecht auswirkt. Die Forscher vermuten, dass die Nahrung einen Einfluss auf die Zusammensetzung von Blut und Scheidenmilieu hat. Diese Bedingungen beeinflussen möglicherweise das Überleben bestimmter Spermien oder des Eis unmittelbar nach der Befruchtung.

Hinzu kommt, dass es Mütter mehr Energie kostet, einen Jungen auszutragen. In schwierigen Zeiten haben mehr Mütter keine ausreichenden Energiereserven; Jungen werden daher häufiger Opfer von Fehlgeburten - und bringen damit die Mädchen in die Überzahl.

Allein dieser Fakt zeigt, dass es nicht ratsam ist, stark mit der Ernährung zu experimentieren, um das Wunschkind zu bekommen. Eine zu geringe Nahrungsaufnahme kann die Chance schmälern, überhaupt schwanger zu werden, oder eine Fehlgeburt hervorrufen. Auch wer dauerhaft zu üppig isst, kann die Fruchtbarkeit beeinflussen: Stark übergewichtige Frauen können größere Schwierigkeiten haben, schwanger zu werden, als normalgewichtige.

Außerdem ist der Einfluss der Ernährung auf das Geschlecht ohnehin nur sehr klein. Und er ist wahrscheinlich nur einer unter mehreren.

Die US-Forscher, die die chinesischen Geburtenzahlen verglichen hatten, halten es für möglich, dass nicht nur die knappe Nahrung einen Einfluss auf die Geschlechterverteilung hatte, sondern auch Stress während der Hungersnot. In diese Richtung deutete auch eine Auswertung der Geburtenzahlen in Ostdeutschland. 1991, als der Umbruch in vollem Gange war, wurden so wenig Jungen wie nie in der Region geboren.

Wissenschaftler haben überdies beobachtet, dass in einigen Familien die Männer - offenbar genetisch bedingt - mehr Jungen als Mädchen zeugen.

Unklar ist, ob der genaue Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs einen Einfluss auf das künftige Geschlecht hat. Längere Zeit gab es eine wissenschaftliche Diskussion darüber. Die Ergebnisse waren allerdings widersprüchlich, mal sollten mehr Jungen gezeugt werden, je näher am Eisprung der Sex erfolgte, mal mehr Mädchen, mal wiederum ließ sich gar keine Tendenz feststellen.

Paaren mit Kinderwunsch bleibt daher nur, sich klarzumachen, dass die Liebe zu einem Kind nicht von einem X- oder Y-Chromosom abhängen sollte.