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China:44 Menschen an mysteriöser Lungenentzündung erkrankt

Mysteriöse Lungenkrankheit in China ausgebrochen

Ein Beamter der Gesundheitsbehörden überprüft am internationalen Flughafen von Hongkong die Temperatur von ankommenden Reisenden.

(Foto: dpa)

In der Region um Wuhan weckt die Situation unangenehme Erinnerungen: Niemand weiß, was hinter den Dutzenden Fällen von Lungenerkrankungen steckt. Was bisher bekannt - und was offen ist.

Einreisekontrollen an Flughäfen, Gesichtsmasken, Sorge vor einer größeren Epidemie: Ein Ausbruch von Lungenentzündungen in der chinesischen Stadt Wuhan löst in der Region Nervosität aus. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie viele Fälle gibt es bislang?

Am Silvestertag berichtete die städtische Gesundheitsbehörde in Wuhan erstmals von Lungenentzündungen mit unklarer Ursache, die mit Fieber und Atembeschwerden einhergehen; 27 Menschen waren demnach erkrankt. Drei Tage später bezifferte das Amt die Zahl der Fälle auf 44. Es ist unklar, ob der Anstieg auf neue Erkrankungen zurückgeht oder lediglich auf die intensive Suche nach Erkrankten. Ebenfalls offen ist, nach welchen Kriterien Kranke gezählt werden. Der Zuschnitt der Falldefinition kann einen großen Unterschied machen.

Elf der bisher erfassten Patienten befinden sich den Angaben nach in kritischem Zustand. Alle sind in Quarantäne untergebracht. Weitere 121 Menschen, mit denen die Patienten engen Kontakt hatten, stehen unter Beobachtung.

Wo sind die Fälle aufgetreten?

Bislang sind nur Fälle aus Wuhan, einer Acht-Millionen-Einwohner-Stadt in Zentralchina, gemeldet worden. In Honkong werden derzeit einige Patienten mit Lungenentzündungen in Quarantäne gehalten, die zuvor in Wuhan gewesen waren. Noch ist nicht klar, ob die Fälle in Zusammenhang mit den chinesischen stehen. Pneumonien können durch eine größere Anzahl von Bakterien, Viren, Pilzen oder Giften ausgelöst werden.

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Wer ist erkrankt?

Im Zentrum des Ausbruchs scheint ein Fischmarkt in Wuhan zu stehen. Mehrere Patienten betrieben dort Stände. Verschiedene Medien berichten, dass auf dem Markt eine ganze Reihe von Tieren - auch lebende - verkauft wurden. Vögel, Schlangen und Hasen wurden genannt. Der Markt wurde am 2. Januar geschlossen und gereinigt.

Was weiß man über die Übertragungswege?

Bislang sind keine Übertragungen von Mensch zu Mensch beobachtet worden. Auch unter Ärzten und Pflegern, die engen Kontakt zu den Erkrankten hatten, sind keine Ansteckungen dokumentiert worden. Dies spräche dafür, dass sich die Menschen bei Tieren des Marktes infiziert haben. Allerdings können auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sicher ausgeschlossen werden.

Was weiß man über die Ursache?

Die chinesischen Behörden gehen davon aus, dass ein Virus für die Fälle verantwortlich ist. Sie haben bereits einige der Hauptverdächtigen ausgeschlossen: die Erreger der saisonalen Grippe, der Vogelgrippe sowie Adenoviren, die häufig Atemwegserkrankungen auslösen.

Spekuliert wird, dass es sich um ein neues Coronovirus handeln könnte. Zur Familie dieser Viren gehören zahlreiche Mikroben, darunter die Erreger von Sars (Severe Acute Respiratory Syndrome) und Mers (Middle East Respiratory Syndrome), die beide schwere Lungenentzündungen auslösen können.

Warum sind Experten besorgt?

Die Geschehnisse erinnern an die Sars-Pandemie, die 2002 ihren Ausgang in Südchina nahm. Der Erreger war damals unbekannt und sprang von einem bis heute nicht sicher identifizierten Tier auf den Menschen über. Die chinesischen Behörden hielten ihre Erkenntnisse zunächst unter Verschluss. Die Krankheit wurde so unbemerkt nach Hongkong eingeschleppt und verbreitete sich von dort innerhalb von nur 24 Stunden in mehrere andere Länder. Sie ist ein Beispiel dafür, wie schnell Seuchen in der globalisierten Welt um den Erdball reisen können und wie verheerend das Zurückhalten von Informationen sein kann. Als Folge der weltumspannenden Epidemie erkrankten etwa 8000 Menschen, jeder zehnte starb. Seither sind keine Fälle mehr registriert worden.

Zu Beginn des Ausbruchs in Wuhan machten Gerüchte die Runde, wonach der Sars-Erreger zurückgekehrt sei. Dies ist weder bestätigt noch ausgeschlossen.

Wie ernst ist die Lage?

He Bailiang, Direktor des Zentrums für Infektionskrankheiten der Universität Hongkong, hält den aktuellen Ausbruch für ernst und fordert die Behörden in einem Radiointerview auf, "so viel wie nur möglich" zu tun, um ihn zu stoppen. Einwohner und Besucher sollten regelmäßige Hygienemaßnahmen wie Händewaschen ergreifen und Gesichtsmasken tragen, wenn sie sich an viel frequentierten Plätzen aufhalten.

Dagegen erklärte Michael Osterholm, Director des Center for Infectious Disease Research and Policy der Universität Minnesota, es sei zu früh, um zu sagen, ob von dem Ausbruch eine größere Gesundheitsgefahr ausgehe: "Die Situation ist im Fluss".

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden ergriffen?

Auch die Regierung in Hongkong klassifizierte den Ausbruch als ernst und rief die zweite von drei möglichen Alarmstufen aus. Ärzte sind angewiesen, jeden Patienten mit Fieber und Atemwegserkrankungen zu melden, sofern er sich in den zurückliegenden 14 Tagen in Wuhan aufgehalten hat. Flug- und Zugpassagiere aus der Region Wuhan müssen bei der Einreise ihre Körpertemperatur messen lassen. Auch Taiwan hat Einreisekontrollen eingerichtet; Singapur hat Mediziner zu besonderer Wachsamkeit aufgerufen.

Die Weltgesundheitsbehörde WHO ist involviert, hat bisher aber relativ wenig verlauten lassen. Auf Twitter teilte das für China zuständige Regionalbüro mit, dass es die Situation gründlich beobachtet. China habe umfassende Kapazitäten, um auf Gesundheitsgefahren zu reagieren, hieß es und: "Das Land reagiert pro-aktiv und schnell auf die Vorfälle in Wuhan, indem es Patienten isoliert, Kontakte aufspürt, den Markt reinigt und nach der Ursache sowie weiteren Fällen sucht."

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