Lateinamerika In Brasilien warten derzeit noch 4000 Familien auf die Diagnose, ob ihr Baby krank oder gesund ist

Doch was ist mit den Untersuchungen in Brasilien, dem bislang einzigen Land, das eine Häufung von Mikrozephalie-Fällen meldet? Die Forscher, die sich um eine Aufklärung des Ausbruchs bemühen, arbeiteten so schnell wie möglich, sagt Albert Ko, Epidemiologe an der Yale School of Public Health: "Die größte Hürde ist der Mangel an diagnostischen Möglichkeiten." Dieses Defizit erschwert selbst die Klärung der simplen Frage, wie viele Babys überhaupt von der Schädelfehlbildung betroffen sind. Bislang wurden lediglich 500 Mikrozephalie-Fälle bestätigt, bei mehr als 800 Verdachtsfällen gaben die Ärzte Entwarnung. Etwa 4000 Familien warten noch auf eine Diagnose.

Die Unklarheit liegt zum einen daran, dass im Laufe des Zika-Ausbruchs mehrfach neu definiert wurde, welcher Kopfumfang als auffällig gilt. Doch unabhängig vom Wirrwarr der Grenzwerte ist das Maßband schlicht nicht ausreichend für die Diagnose der neurologischen Störung. Für Brasilien gilt dies ganz besonders. Denn fast 70 Prozent der Neugeborenen reifen nicht die vollen 40 Wochen im Bauch ihrer Mütter: Das Land hat die höchste Kaiserschnittrate der Welt. Bei vielen Frauen wird das Datum für die Operation deutlich vor dem Geburtstermin angesetzt, damit die Wehen nicht vor dem Wunsch-Kaiserschnitt einsetzen. Um zu unterscheiden, ob die kleinen Köpfchen solcher Babys nur ihrer frühen Entbindung geschuldet sind, oder ob tatsächlich eine Störung vorliegt, müssen Bilder vom Gehirn angefertigt werden. Die Kapazitäten dafür sind gering.

Auch für umfangreiche Labortests auf zurückliegende Zika-Infektionen fehlen dem Land die Möglichkeiten. Bislang wurde der Erreger nur etwa 15 Mal in den Gehirnen betroffener Babys, im Fruchtwasser oder in der Plazenta ihrer Mütter nachgewiesen. In einigen Fällen haben Mikrobiologen nicht nur das Virus aufgespürt, sondern zudem alle weiteren Verdächtigen ausgeschlossen. "Insgesamt wird der Link zwischen dem Zika-Virus und der Mikrozephalie stärker", sagt der Yale-Forscher Albert Ko. Auch für Christina Frank sprechen die bisherigen Laborergebnisse für eine kausale Beziehung. Dennoch: "Wir müssen diesen Zusammenhang noch sorgfältiger verstehen."

Ebenfalls offen ist, wie groß die Gefahr von Zika oder anderen durch Mücken übertragene Erreger in Deutschland ist. Bislang gibt es kaum Forschung zu der Frage, ob einheimische Mücken Tropenkrankheiten wie Zika, das Dengue- oder das Chikungunya-Fieber weitergeben können. Einen Beitrag zur Klärung soll jetzt ein mit 2,2 Millionen Euro gefördertes Projekt bieten. Das Vorhaben wird vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin koordiniert.

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