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Krebs:Arme leiden häufiger unter Tumoren

Experten fordern bessere Krebsregister, bessere Kontrollen der bisherigen Gesundheitsmaßnahmen und mehr Geld für die onkologische Arbeit. Denn Brust- und Gebärmuttertumore nehmen weltweit zu - insbesondere in den Entwicklungsländern.

Jeden Tag die Passagiere von sechs großen Jumbo Jets. So viele Frauen sterben täglich weltweit an Tumoren von Brust oder Gebärmutter. Der niederländische Gesundheitswissenschaftler Jan Willem Coebergh von der Erasmus-Universität in Rotterdam wählt diesen drastischen Vergleich. Er fordert bessere Krebsregister, bessere Kontrollen der bisherigen Gesundheitsmaßnahmen und mehr Geld für die onkologische Arbeit. Damit könnte besser erkannt und bewertet werden, "welche Formen der klinischen Betreuung und welche epidemiologischen Ansätze qualitativ etwas bringen".

Anlass für Coeberghs Appell sind umfangreiche neue Daten der Universität Seattle. Im Lancet (online) vom heutigen Donnerstag zeigen Epidemiologen um Christopher Murray, wie sich die Häufigkeit von Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs von 1980 bis 2010 verändert hat.

Aus 187 Ländern haben die Forscher Daten zusammengetragen. Demnach wurden 1980 weltweit 641 000 Frauen neu mit Brustkrebs diagnostiziert. Im Jahr 2010 waren es hingegen 1,6 Millionen neue Fälle. Die Anzahl der Todesfälle durch Brustkrebs hat sich in diesem Zeitraum global von 250.000 auf etwa 425.000 erhöht.

An Gebärmutterhalskrebs erkrankten im Jahr 1980 etwa 378.000 Frauen. 2010 waren es 454.000. Die Zahl der jährlich durch diesen Tumor bedingten Todesfälle ging leicht zurück und belief sich 2010 auf ungefähr 200.000.

Gerade der Gebärmutterhalskrebs ist ein Tumor der Entwicklungsländer - 76 Prozent der Neuerkrankungen sind 2010 hier zu verzeichnen, der Anstieg ist in Südostasien, Afrika und Lateinamerika besonders ausgeprägt, während in wohlhabenden Ländern die Zahlen rückläufig sind.