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Krankheiten - Neumünster:Tierpark in Neumünster erarbeitet Notfallpläne

Corona
Verena Caspari, Direktorin des Tierpark Neumünster. Foto: Carsten Rehder/dpa/Archivbild (Foto: dpa)

Neumünster (dpa/lno) - Der Tierpark Neumünster ist durch die Corona-Krise laut Zoodirektorin Verena Caspari in einer existenzbedrohenden Krise und hat Notfallpläne erarbeitet. "Wir haben aktuell Gelder, die uns ungefähr bis Mitte Mai bringen würden", sagt die Parkchefin. Der Tierpark habe viele Futterspenden von Landwirten und Privatleuten erhalten.

Im Park leben jedoch nicht nur Pflanzenfresser, sondern auch Tiere, auf deren Speiseplan Fleisch und Fisch stehen. Sollte das Fressen für die Raubtiere knapp werden, müssten mehr Zootiere als normal geschlachtet werden, erklärt Caspari. Denn "es wird generell bei uns im Betrieb geschlachtet, wir haben fleischfressende Tiere, das ist also nichts Neues. Dann müsste man halt überlegen, ob man noch mehr Tiere in die Schlachtung bringt, um die Raubtiere überleben zu lassen", sagt sie.

"Vorher könnte man natürlich auch versuchen, Tiere an andere Betriebe abzugeben. Das ist aber nicht mit allen Tieren so einfach." Zum Beispiel Vitus, der Eisbär. Er zählt mit seinem Gewicht von ungefähr 700 Kilogramm zu den Größten seiner Art in Deutschland. "Wenn es hier ganz hart auf hart kommt, und der Tierpark aufgelöst werden müsste, kann ich den nicht einfach in eine Kiste stecken und woandershin transportieren." So ein großes Tier kriege man nicht mal eben schnell bei einem Kollegen untergebracht. "Es ist kein Pony, das man auch mal in einen Eselstall stellen kann. Er ist ein großes Raubtier, für das man eine adäquate Anlage benötigt."

Pläne für Notschlachtungen sind dem Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) nach eigener Aussage nicht bekannt. "Das ist nicht das Thema was wir derzeit haben", sagt Pressesprecher Sebastian Scholze. Allerdings sei die Lage die Lage in den Zoos durchaus relativ besorgniserregend. Man habe seit vier Wochen geschlossen und gleichbleibend hohe Kosten bei keinerlei Einnahmen. "Und Homeoffice mit Elefant geht halt auch nicht", sagt Scholze.

Eine Diskussion über Notschlachtungen führt aus Sicht des Verbandes an den eigentlichen Geldproblemen vorbei. Denn die großen Ausgaben eines Zoos seien nicht das Futter, sondern die Personalkosten.

Derzeit gingen zwar viele Spenden ein, über die man "sehr, sehr dankbar" sei. Aber: "Es ist schwierig, damit über die Runden zu kommen", sagt Scholze. Deshalb hat der Verband bereits Ende März für seine 56 Mitgliedszoos ein Soforthilfe-Programm in Höhe von 100 Millionen Euro erbeten. Derzeit versuche man unter einen Rettungsschirm zu kommen. Auch der Zoo in Neumünster ist Mitglied beim Verband.

Dort ist auch Zoochefin Caspari zuversichtlich, dass es nicht zu Notschlachtungen kommen wird. Andere Tierparks hätten versprochen, den Neumünsteranern Fisch und Fleisch zukommen zu lassen, "wenn hier der allerschlimmste Fall eintreten würde", sagt sie.

Die Haus- und Nutztierpark "Arche Warder" hat wegen der Corona-Krise ebenfalls "große finanzielle Sorgen und Engpässe, aber so etwas ziehe ich zur Zeit nicht in Erwägung", sagte Zoodirektor Kai Frölich. Er habe für seine 1200 Tiere aus 83 Rassen einen Notfallplan erarbeitet, "so dass wir um solche Maßnahmen erst einmal herumkommen".

Auch im Westküstenpark in St. Peter-Ording und im Wildpark Eekholt gibt es den Angaben zufolge aktuell keine Pläne für Notschlachtungen. Hagenbecks Tierpark in Hamburg hat ebenfalls keine so extremen Pläne. "Bei uns wird das nicht passieren. Wir haben nicht vor, eins unserer Tiere zu schlachten", sagt eine Sprecherin.

"Zu Notschlachtungen in Tierparks darf es in der Corona-Krise nicht kommen", mahnt Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). "Bund und Länder stellen bereits zahlreiche finanzielle Hilfen bereit. Ab Anfang der nächsten Woche können voraussichtlich Förderanträge gestellt werden. Davon unabhängig erwarte ich, dass im Zuge möglicher Lockerungen von Corona-Schutzmaßnahmen Tierparks unter bestimmten Auflagen zeitnah wieder geöffnet werden dürfen", sagt er der Deutschen-Presse-Agentur.

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