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Krankheiten - Dresden:In Sachsen Großveranstaltungen wegen Coronavirus verboten

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Dresden (dpa/sn) - In Sachsen können wegen des Coronavirus bis auf unbestimmte Zeit keine größeren Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern mehr stattfinden. Ein entsprechender Erlass der Regierung trete am Donnerstag, 8.00 Uhr, in Kraft, teilte Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch in Dresden mit. Damit soll eine einheitliche Regelung für den gesamten Freistaat geschaffen werden. Der Erlass gilt auf unbestimmte Zeit. "Wir sind im absoluten Krisenmodus", sagte Köpping. Aktuell gebe es in Sachsen 27 Infizierte.

Nach den Worten von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sollen mit der Maßnahme vor allem ältere Menschen und solche mit einem schwachen Gesundheitszustand geschützt werden. Der Regierungschef appellierte an die Eigenverantwortung der Bürger. "Diese Krankheit wird einen sehr, sehr großen Teil der Bevölkerung - 70 bis 80 Prozent, vielleicht auch mehr - erreichen." Für den überwiegenden Teil werde es einen milden Verlauf geben. Es gebe daher keinen Grund, Panik bei der Bevölkerung zu mehren. Es gehe jetzt um Ruhe, Besonnenheit und ein entschiedenes Handeln.

"Wir wollen erreichen, hier in Sachsen, und Deutschland und darüber hinaus, dass nicht zu viele Menschen zu einem Zeitpunkt mit einem schweren Verlauf in einem Krankenhaus behandelt werden müssen", sagte Kretschmer: "Darum geht es. Deutschland ist gut vorbereitet. Wir verfügen über eines der besten oder das beste Gesundheitssystem auf der Welt." Man habe Krankenhäuser mit einer Intensivmedizin und sei dabei, auch zusätzliche Kapazitäten aufzubauen. Dennoch müsse man für die besondere Risikogruppe organisieren, dass zu jeder Zeit an jedem Ort eine optimale Versorgung möglich sei.

Nun gehe es darum, die weitere Ausbreitung zu unterbrechen. Die Maßnahmen würden nicht ersetzen, dass "jeder für sich und für seine Nächsten Verantwortung übernimmt", sagte Kretschmer und appellierte an den gesunden Menschenverstand. Erkrankte müssten zu Hause in Quarantäne bleiben. Kretschmer bat die Bevölkerung, in den Osterferien nicht zu verreisen: "Es ist jetzt noch die Zeit, die weitere Ausbreitung zu behindern."

Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow (CDU) empfahl den Hochschulen, den Semesterbeginn zu verschieben. Schulen sollen nur in Einzelfällen geschlossen werden. Von generellen Schulschließungen ist bislang nicht die Rede. Wenn eine Schule wegen des Coronavirus schließt, soll eine Quarantänezeit von 14 Tagen gelten - für Schüler wie für Lehrer. Klassenfahrten in Risikogebiete soll es nicht mehr geben, sie sollen auf Sachsen beschränkt bleiben.

Mit den 27 Infizierten hat sich die Zahl der Krankheitsfälle seit Montagabend mehr als verdoppelt. Es wird erwartet, dass die Zahl der Infektionen weiter steigt. Sachsen hat mittlerweile einen Krisenstab "Corona" eingerichtet, um möglichst schnell Maßnahmen ergreifen zu können.

Wegen der Ausbreitung des Coronavirus hatte bereits der Landkreis Zwickau am Mittwoch Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen verboten. Betroffen ist auch das Heimspiel von Fußball-Bundesligist RB Leipzig gegen den SC Freiburg am Samstag, das vor leeren Rängen stattfinden muss.

Mehrere Bundesländer und Kommunen haben aufgrund des Coronavirus bereits Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern kategorisch untersagt - unter anderem Hamburg, Berlin, Bremen, Baden-Württemberg, Thüringen und Bayern.

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