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Krankheiten - Berlin:Jetzt also doch: In Berlin schließen Schulen und Kitas

Berlin
Ein Schild mit einem durchgestrichenen Schriftzug "Schule". Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

Berlin (dpa/bb) - In der Diskussion war es schon seit Tagen, nun zieht der Senat die Notbremse: Von der kommenden Woche an machen die Schulen dicht, teilte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Freitagmorgen mit. Den Anfang machen ab Montag alle Oberstufenzentren, dann voraussichtlich kurz darauf die übrigen allgemeinbildenden Schulen. Und auch die Kitas sollen angesichts der steigenden Zahlen von Infizierten mit dem neuartigen Coronavirus schließen.

Was bringt das? Der Virologe Prof. Alexander Kekulé von der Universität Halle hatte schon vor rund zwei Wochen gefordert, die Schulen dicht zu machen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, war damit aber nicht gleich durchgedrungen. Prof. Ulrich Frei, der Ärztliche Direktor der Charité, widersprach dem Vorschlag noch in der vergangenen Woche ausdrücklich. Und auch der Regierende Bürgermeister lehnte das lange ab.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hatte am Donnerstagabend strengere Regeln für Schulen angeordnet. Der Unterricht sollte aber eigentlich weiter stattfinden. Ausflüge und Schülerfahrten ins Ausland wurden aber bis auf weiteres untersagt. Inzwischen verschärft der Senat die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus.

Die Senatsverwaltung für Bildung teilte am Freitag auf Twitter mit: "Selbstverständlich haben wir uns auf Schul- und #Kita-Schließungen in #Berlin vorbereitet. Benachrichtigungsketten sind sichergestellt. Schulaufsichten und #Schulen sind eng im Kontakt."

CDU-Landesvorsitzender Kai Wegner kritisierte die Pläne: "Es ist absurd, jetzt wieder zögerlich an die Schulschließungen heranzugehen und die Schulen in Stufen schließen zu wollen. Sämtliche Kitas, Schulen und Hochschulen sind sofort zu schließen." Kritik gibt es auch aus der Berliner FDP-Fraktion. Deren bildungspolitischer Sprecher, Paul Fresdorf, forderte am Freitag die Schließung aller Kitas und Schulen in Berlin zum kommenden Montag.

Es müsse sichergestellt werden, dass die Betreuung von kleinen Kindern gewährleistet sei. "Der Senat ist daher aufgerufen, in allen Bezirken eine unbürokratische Notbetreuung in ausreichender Zahl sicherzustellen, damit unter anderem Ärztinnen und Ärzte, Pflegekräfte, Polizistinnen und Polizisten ihrer wichtigen Tätigkeit für uns alle nachgehen können", so Fresdorf. Martin Klesmann, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung wies darauf hin, dass eine solche Notfall-Betreuung sichergestellt werden solle.

Auch die anstehenden Prüfungen zum Mittleren Schulabschluss sollen nach Angaben des Sprechers stattfinden. Der Berliner GEW-Vorsitzende Tom Erdmann hat am Freitag darauf aufmerksam gemacht, dass es angesichts der Schulschließungen damit Probleme geben könnte. Erdmann schlug vor, die MSA-Prüfungen notfalls auf die Zeit kurz vor den Sommerferien zu verschieben. Arbeitgeber seien dann gefordert, mit Bewerbungsfristen großzügig umzugehen. "Es kann nicht sein, dass Jugendliche das ausbaden müssen."

"Auch die Abitur-Prüfungen sind ein Problem", sagte Erdmann. "Der Unterricht wäre noch bis zu den Osterferien gegangen. Wenn er jetzt ausfällt, fallen auch Unterrichtsinhalte weg." Dabei könne es auch um Themen gehen, die bei den Prüfungen eine Rolle spielen, so der GEW-Vorsitzende. "Man muss aber sicherstellen, dass die Schüler in der Lage sind, an den Prüfungen teilzunehmen." Eine Möglichkeit sei auch in diesem Fall, die Prüfungen zu verschieben und die ausgefallenen Unterrichtswochen "hinten dran zu hängen".

Der Regierende Bürgermeister kündigte weitere Maßnahmen an. Unter anderem solle ein Konzept zur Verringerung des ÖPNV auf ein Mindestmaß erarbeitet werden. "Bund und Länder sind sich darüber einig, dass Deutschland das Coronavirus nur dann gut überstehen kann, wenn wir jetzt die sozialen Kontakte stark zurückfahren und Risikogruppen schützen", heißt es in der Mitteilung des Regierenden Bürgermeisters vom Freitagmorgen. "Das bedeutet auch, dass alle Veranstaltungen, die nicht zwingend notwendig sind, abgesagt werden müssen."

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