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Krankheiten:AOK: Psychische Erkrankungen dauern immer länger

Deutschland
Eine Frau legt ihren Kopf in die Hände. Foto: Marijan Murat/dpa/Illustration (Foto: dpa)

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Kiel (dpa/lno) - Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen ist bei den Versicherten der AOK Nordwest seit 2011 deutlich gestiegen: im Durchschnitt von 23,8 Tagen auf 30,9 Tage in diesem Jahr. Dagegen habe die Zahl dieser Krankheitsfälle deutlich weniger zugenommen, teilte die Krankenkasse am Dienstag in Kiel mit. Sie stieg von 11,3 auf 11,8 Fälle pro 100 AOK-Versicherte. Im Vergleich zum vergangenen Jahr mit 12,8 Fällen je 100 Versicherten sei die Zahl der entsprechenden Krankschreibungen sogar gesunken.

"Es ist zu vermuten, dass viele psychisch erkrankte Beschäftigte in der Lockdown-Phase aus Angst vor Ansteckung auf einen Arztbesuch verzichtet haben", sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Tom Ackermann.

Die Corona-Pandemie hat laut AOK Nordwest die bisherige Jahresstatistik in puncto Krankschreibungen "stark beeinflusst und zu teilweise erheblichen Schwankungen geführt". Zunächst habe es zu Beginn der Pandemie im März einen sprunghaften Anstieg des Krankenstandes von 6,5 Prozent im Februar auf 7,4 Prozent gegeben. Zum Vergleich: Im März 2019 betrug der Krankenstand 6,2 Prozent.

"Die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung wegen Atemwegserkrankungen, die ab Anfang März galt, könnte einen Einfluss auf den erhöhten Krankenstand haben", sagte Ackermann. Gleichzeitig sprächen die Daten dafür, dass Ärzteschaft und Beschäftigte mit dieser vorübergehenden Regelung verantwortungsvoll umgegangen seien. Denn in den Monaten Mai (4,6 Prozent) und Juni (4,7 Prozent) hätten die Arbeitnehmer deutlich seltener krankheitsbedingt gefehlt als in den beiden Vorjahresmonaten (4,9/5,0 Prozen). Dieser Trend habe sich noch deutlicher im Juli und August mit jeweils 4,7 Prozent statt 6,2 Prozent fortgesetzt.

"Mehr Homeoffice, weniger Mobilität und die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln dürften zum Rückgang des Krankenstandes beigetragen haben", sagte Ackermann. Außerdem haben vermutlich viele Beschäftigte aus Angst vor einer Infektion den Gang zum Arzt vermieden. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen seien diese Zahlen jedoch kein Anlass zur Entwarnung: Es bleibe abzuwarten, wie sich die steigenden Corona-Infektionszahlen im Herbst und Winter bei den Krankenständen bemerkbar machen werden.

Insgesamt lag der Krankenstand bei den rund 285 000 versicherten Arbeitnehmern der AOK Nordwest in Schleswig-Holstein in den ersten acht Monaten dieses Jahres allerdings genau wie im Vorjahr unverändert bei 5,5 Prozent.

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