Krankenhausreform Und jetzt dürfen die Lobbyisten ran

Krankenhäuser, die ihre Patienten gut behandeln, wie zum Beispiel mit Klinikclowns bei Demenzkranken, sollen mehr Geld bekommen.

(Foto: dpa)

Die Koalition hat eine sinnvolle Idee: Kliniken, die ihre Patienten gut behandeln, sollen mehr Geld bekommen - und umgekehrt. Hört sich gut an. Theoretisch.

Von Guido Bohsem

Die Deutschen vertrauen ihren Ärzten, und sie vertrauen ihren Kliniken. Ob es nun um Blinddarm-Entfernung, neue Hüfte, Beinbruch oder Krebstherapie geht: Noch immer suchen die Patienten vorzugsweise das Krankenhaus in ihrer Nähe auf. Sie vertrauen ganz einfach darauf, dass sie dort genauso gut behandelt werden wie anderswo.

Doch ist dieses Vertrauen leider nicht immer gerechtfertigt. Es gibt große Unterschiede zwischen den Krankenhäusern, ja sogar zwischen einzelnen Abteilungen. So kann eine Klinik gleichzeitig eine hervorragende Chirurgie und eine schlechte Neurologie betreiben. Auch in gut beleumundeten Häusern kann es zu einem gehäuften Auftreten von Keimen kommen, gegen die keine Antibiotika mehr helfen.

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Die Bundesregierung will Kliniken, die ihre Patienten gut behandeln, mit mehr Geld belohnen - und umgekehrt. Kann das funktionieren? Wie müsste eine Klinikreform gestaltet sein, damit sie nicht zur Scheinreform wird und das Vertrauen der Patienten in die Krankenhäuser gesichert werden kann?   Diskutieren Sie mit uns.

Angst vor dem Notfall

Es ist daher erst einmal gut, dass die Koalition eine grundlegende Reform der Kliniken angeht, bevor das Grundvertrauen der Menschen eines Tages vielleicht erodiert. Es wäre eine Katastrophe, würde sich in den Köpfen der Menschen festsetzen, dass sich schon glücklich schätzen kann, wer einen Klinikaufenthalt ohne weiteren Schaden übersteht.

Zu der Angst vor dem Notfall würde sich auch noch die Angst vor der Hilfe im Notfall gesellen. Zu Recht stellen Union und SPD deshalb die Qualität der medizinischen Leistungen in den Mittelpunkt der Reform: Kliniken, in denen überdurchschnittlich gut gearbeitet wird, sollen mehr Geld erhalten, Häuser mit schlechter Qualität weniger.

Mehr Geld, falls mehr Qualität - klingt gut. Theoretisch

Das klingt gut, doch hat die Reform eine gravierende Schwäche. Ihre genaue Ausgestaltung soll wieder einmal die Selbstverwaltung übernehmen, die aus Krankenkassen, Ärzten, Apotheken und Krankenhaus-Verbänden besteht. Insbesondere Letztere werden alles tun, um ihre Interessen zu wahren und den positiven Ansatz zu verwässern, zu manipulieren, zu zerstören.

Aber auch die Krankenkassen haben an der Reform wenig Interesse. Insbesondere werden sie davor zurückschrecken, schlechte Qualität schlechter zu bezahlen. Zu sehr müssen sie fürchten, man könnte sie als Billigheimer darstellen, als Sparmeister auf Kosten von Schwerkranken. In einen solchen Ruf wird keine Kasse kommen wollen, die im Wettbewerb steht.

Die Koalition darf nicht locker lassen

Deshalb wird am Ende - wie so oft im Gesundheitssystem - eine Reformsimulation herauskommen. Als Beispiel für diesen Pessimismus mögen die Noten dienen, die inzwischen an Pflegeheime vergeben werden. Auch hier stand am Anfang eine gute Idee, die durch geschicktes Taktieren in der Selbstverwaltung zur Farce geworden ist, sodass auch Heime ein "sehr gut" erhalten, die kurz darauf wegen erheblicher Mängel geschlossen werden mussten.

Läuft es bei der Umsetzung der Klinikreform ähnlich schlecht, darf man also einen Ansatz erwarten, der lediglich so tut, als ob er Qualität misst, am eigentlichen Problem aber wenig ändert. Die Koalition darf deshalb nun nicht locker lassen. Deutlich stärker als bislang üblich muss sie nun kontrollieren, dass sie auch vernünftig und in ihrem Sinne umgesetzt wird. Das Vertrauen der Patienten steht auf dem Spiel.

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