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Kongress zu Depressionen:Wahre Freude an der ernsten Sache

Haraldt Schmidt

Haraldt Schmidt ist Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

(Foto: Alexander Schmidt)

Burn-out gilt als schick, Depression als Sache von Schwächlingen - darüber klagen Patienten beim Kongress in Leipzig. Harald Schmidt ist auch da und erzählt, wie er die finsteren Stunden seines Lebens meistert. Dabei geht es beinahe vergnüglich zu.

An der Orgelempore im Gewandhaus zu Leipzig steht ein Sinnspruch Senecas geschrieben, demnach wahre Freude eine ernste Sache sei - res severa verum gaudium. Das ist so wahr, wie es andersherum nicht falsch sein muss. Eine ernste Sache kann eine wahre Freude sein, und den Beweis dafür sollte am Sonntag der zweite Deutsche Patientenkongress erbringen.

Etwa 1300 Betroffene und Angehörige fanden sich im Gewandhaus zusammen, um über die Krankheit Depression zu sprechen, also über eine ernste Sache. Als zuständig für die wahre Freude wurde Harald Schmidt erklärt, im Ehrenamt Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe und Moderator der Tagung.

Schmidt gilt nicht gerade als neuzeitlicher Seneca, zumindest aber als Stoiker, und so sind bei einer Pressekonferenz noch vor Beginn des Kongresses gleich zwei Fragen zu klären: Warum übernimmt einer, dem allgelegentlich der dämliche Titel "Chefzyniker" verliehen wird, überhaupt eine Schirmherrschaft? Und dann auch noch für Depressionskranke, als Satiriker? In seiner Show hat Schmidt über viele Jahre und Sender hinweg immer wieder das karitative Engagement von Kollegen etwas dreckig belächelt, häufig zu Recht, und so beginnt er dann auch seine Antwort.

Bei vielen sei die Übernahme einer Schirmherrschaft vor allem der Versuch, "von einem desolaten Familienleben abzulenken - das ist ja auch immer viel Fahrerei am Heiligabend". Er selbst versuche, mit einer "gesunden Mischung aus Altruismus und Egoismus aus einem naiven Frohsinn heraus einen kleinen Beitrag zu leisten". Selbst betroffen sei er nicht, sagt Schmidt, er habe zwar auch finstere Stunden erlebt, aber "die ließen sich durch Partnerwechsel relativ schnell lösen".

Da lachen natürlich alle in dem kleinen Raum mit der Notrufnummer 112, und da denkt man einen Moment, dass es ihm also schon irgendwie wurscht ist, oder? "Wurscht ist es mir nicht, aber was soll ich denn sonst machen, als hier zu moderieren? Ich kann nicht sagen: Werdet mal depressiv, weil die Stimmung auf den Kongressen so gut ist."

Das ist sie übrigens tatsächlich, "fast ausgelassen" wird Schmidt später im Konzertsaal sagen, in dem für alle Teilnehmer kleine Trommeln ausgelegt sind, die beim Auftritt einer Perkussionsgruppe dem Kommando Pimperle des Cheftrommlers folgen. Im Foyer fügen sich alle möglichen Stände zu einer Art Städte- und Gemeindetag der Depressionshilfe. Das "Rostocker Bündnis gegen Depression" stellt sich genauso vor wie jene aus Leipzig oder Duisburg. Es gibt Auskunft über die Telefonberatung am "Seelefon" (0180 595 09 51), eine weitere Initiative zeigt Wege in die Arbeit nach einer psychischen Erkrankung. Und während draußen die Teilnehmer des Leipziger Stadtlaufs am Gewandhaus vorbeihecheln, informiert drinnen der "Verband der Lauftherapeuten".