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Kohlenmonoxid-Vergiftung:Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit

Auch fünf Freunde hatten nicht gedacht, dass sie in dieser Nacht nur knapp dem Tode entrinnen würden. Als es am Abend empfindlich kühl wird, ziehen sie den Grill mit den noch glühenden Kohlen als Wärmequelle in die Garage und lümmeln sich in alte Sofas. Um zwei Uhr morgens gehen zwei der Freunde nach Hause. Übel ist ihnen, und der Kopf tut weh. "Na, war wohl zu viel Bier - vertragt ihr nichts mehr?", lästert einer der Kumpels.

Als die Eltern des Party-Initiators gegen drei Uhr morgens nach Hause kommen, finden sie die drei jungen Leute bewusstlos in den Sofas liegen. Zwei werden an der frischen Luft wieder wach, der dritte aber erst auf der Toxikologischen Intensivstation der Technischen Uni München. Auch hier die Diagnose: Kohlenmonoxid-Vergiftung. "Das Gefährliche daran ist, dass sich die Vergiftung oft erst dann bemerkbar macht, wenn es fast schon zu spät ist", sagt Florian Eyer, dortiger Chef-Toxikologe, der den Jungen behandelt hatte.

Kohlenmonoxid (CO) ist ein farbloses Gas, das durch unvollständige Verbrennung von kohlenstoffhaltigem Material entsteht, wenn Sauerstoff fehlt. Da CO weder schmeckt noch riecht noch die Atemwege reizt, nimmt man das Gas unbemerkt über die Lungen auf. Dort gelangt es ins Blut und bindet sich statt an Sauerstoff an den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Als Konsequenz werden Organe und Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Eine leichte Vergiftung löst Kopfschmerzen, Schwindel, Erbrechen oder Kurzatmigkeit aus. Manche spüren ihr Herz schneller pumpen und fühlen sich schlapp. Bei einer schweren CO-Vergiftung färbt sich die Haut manchmal kirschrot - das sieht auf den ersten Blick gesund aus und verschleiert, wie schlecht es dem Betroffenen eigentlich geht. Sind mehr als 70 Prozent des Hämoglobins mit CO besetzt, stirbt man innerhalb weniger Minuten. "Die Symptome einer leichten Vergiftung kann man leicht mit denen anderer Krankheiten verwechseln", sagt Eyer.

Das passierte auch dem erfahrenen Notfallmediziner Christ neulich: Ein 20-jähriger Patient klagte, ihm sei übel und er habe Kopfschmerzen. "Als ich den apathischen, dünnen Mann mit den langen Haaren und den schlabbrigen Jeans in der Notaufnahme sah, dachte ich sofort, der hat zu viel Hasch geraucht oder andere Drogen genommen", erinnert sich Christ. Die Blutabnahme zeigte dann aber einen CO-Wert von 30 Prozent. "Ich hatte ihm total unrecht getan!" Der junge Mann arbeitete seit Kurzem in einer Shisha-Bar - das beim Verbrennungsprozess entstandene CO hatte ihn vergiftet. Er bekam über Nacht Sauerstoff über eine Nasenmaske. Nach ein paar Stunden konnte er beschwerdefrei nach Hause gehen.

Er habe nichts gegen ökologisches Bewusstsein, sagt Axel Hahn, aber auch das habe vermutlich zu einer Zunahme von CO-Vergiftungen geführt. "Immer mehr Leute heizen mit Holzpellets. Aber dass die gepressten Sägespäne CO freisetzen können, ist den wenigsten bekannt." Bei der Herstellung der Pellets werden chemische Prozesse in Gang gesetzt, bei denen unter anderem CO entsteht. "Noch Monate danach kann CO frei werden", sagt Hahn. Dem BfR wurden mehrere Fälle von CO-Vergiftungen bei Personen gemeldet, die sich in Lagerräumen von Holzpellets aufgehalten hatten oder sie zu Wartungszwecken betreten wollten.

"Pellets sollte man immer in separaten Räumen lagern, die ständig belüftet werden", rät Hahn. Eine Menge von 70 Litern, also etwa die Größe eines Müllsackes, könne man in einem nicht abgeschlossenen Raum bei regelmäßiger Lüftung problemlos aufbewahren. "In jedem Falle würde ich mir einen CO-Melder kaufen", sagt Hahn. "CO-Melder sind sehr empfindlich und warnen schon bei kleinsten Mengen. Wie Brandmelder gehören sie in jeden Haushalt - denn sie können Leben retten."

© SZ vom 18.09.2015/beu
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