Krankenhauskeime 28 Patienten infizieren sich in Kölner Praxis

Petrischalen mit Pseudomonas aeruginosa (grünes schleimiges Wachstum).

(Foto: Armin Weigel/dpa)
  • 28 Menschen haben sich mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa infiziert, wohl als sie eine Spritzen gegen ihre Rückenschmerzen bekamen.
  • Mehrere Patienten erkrankten an einer Hirnhautentzündung, ein 84-jähriger Patient starb an Multiorganversagen.
Von Clara Hellner

Es ist der Albtraum eines jeden Arztes: Ein Patient infiziert sich bei einer eigentlich harmlosen Behandlung mit einem gefährlichen Keim, wird schwer krank und stirbt am Ende sogar daran. In einer Kölner Praxis ist womöglich genau das passiert. Nach Angaben des Gesundheitsamtes der Stadt wurden in der betroffenen Praxis 28 Menschen mit dem Bakterium Pseudomonas aeruginosa infiziert, als sie eine Spritze mit Entzündungshemmern und Schmerzmitteln gegen ihre Rückenprobleme bekamen. Mehrere von ihnen erkrankten in der Folge an einer lebensgefährlichen Hirnhautentzündung. Ein 84-jähriger Mann musste nach der Behandlung notoperiert werden und starb kurze Zeit danach an Multiorganversagen. Die Ärzte, die zwischen Januar und März insgesamt fast dreihundert Patienten mit Spritzen behandelten, haben nun nach Angaben der Stadt Köln selbst die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

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Laut der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene handelt es sich um den bisher schwersten Ausbruch mit diesem Erreger in einer medizinischen Einrichtung außerhalb eines Krankenhauses überhaupt. Zwar erkranken immer wieder Patienten an Pseudomonas aeruginosa, "meist betrifft es aber einen einzelnen Patienten, selten mehr als zehn", sagte der Mikrobiologe Alexander Friedrich von der Universität Groningen. Ähnlich äußerte sich Gerd Fätkenheuer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie: "Umstände und Umfang des Ausbruchs sprechen dafür, dass in der betroffenen Praxis ein Hygieneproblem aufgetreten ist."

Um eine Infektion auszulösen, braucht der Erreger eine Eintrittspforte

Das Gesundheitsamt untersucht nun, ob alle betroffenen Patienten mit demselben Bakterienstamm infiziert sind und ob dieser wirklich aus der Praxis kommt. Der Erreger könnte sich beispielsweise in bereits geöffneten Injektionslösungen vermehrt haben. "In der Aufklärung dieser Infektion werden alle Abläufe in Bezug auf den Patienten, auf Personal und verwendete Materialien untersucht, die vor, während oder nach den invasiven Eingriffen beteiligt waren", sagt Fätkenheuer.

Pseudomonas aeruginosa kommt in geringen Konzentrationen auch im Trinkwasser vor. Um eine Infektion im Körper auszulösen, braucht der Keim jedoch eine Eintrittspforte wie eine Wunde, einen Katheter - oder eben den Stich einer Spritze. Im Krankenhaus führt das Bakterium bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem häufig zu einer Lungen-, Blasen- oder Wundentzündung. Behandeln kann man es mit Antibiotika, es ist aber natürlicherweise gegen einige davon resistent.

"Infektionen mit Pseudomonas aeruginosa verlaufen häufig schwer", sagt Fätkenheuer. Schlimmstenfalls vermehrt sich das Bakterium im ganzen Blutkreislauf und es kommt zu einer Sepsis. "Ein Multiorganversagen, wie es der verstorbene Patient erlitten hat, sei "eine typische Komplikation eines septischen Schocks," so Fätkenheuer. Besonders schwierig zu therapieren wird der Keim, wenn er gegen diverse Antibiotika Resistenzen entwickelt hat. Auf den in Köln ausgebrochenen Stamm trifft das aber laut Gesundheitsamt nicht zu. Er gilt sogar als empfindlich gegenüber diversen Wirkstoffen.

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