Klonen Von den Möglichkeiten, neue Menschen zu erschaffen

Zu Beginn unseres Lebens erhalten wir eine bestimmte genetische Ausstattung. Was sie für uns bedeutet, wird im Laufe des Lebens epigenetisch durch das An- und Abschalten sowie das Verändern von Genen beeinflusst. Hier spielen auch geistige, seelische und emotionale Faktoren eine Rolle. Wir entfalten uns in einem ständigen Dialog mit der äußeren und inneren Umgebung. Nach meiner persönlichen Überzeugung ist die Unterscheidung zwischen biologischen und nichtbiologischen Faktoren nur eine Frage der Betrachtungsweise. Im Grunde ist der Mensch eine Einheit von Körper, Geist und Seele und kann nur als diese Einheit sein Leben gestalten.

Amerikanische Wissenschaftler haben nun das Genom einer menschlichen Eizelle entfernt und durch das Genom einer fetalen Hautbindegewebszelle ersetzt. Die so entstandene Zelle hat sich sieben Tage entwickelt, dann wurden Stammzellen gewonnen. Beim Klonieren mittels Zellkerntransfer wird ein Genom gleichsam wiederverwendet. Führt dieser Entstehungsprozess zu einer Zelle, die wir ethisch und rechtlich in derselben Weise als Embryo betrachten wie einen Embryo, der durch Befruchtung, also durch die Verschmelzung von Ei- und Samenzelle, entsteht? Kommt es vorrangig darauf an, ob die Zelle das Potenzial hat, sich so zu entwickeln, dass ein Mensch geboren werden kann?

Ich sehe im Entstehungsprozess ethisch relevante Unterschiede. Wenn ein geklonter Mensch geboren würde, würden wir ihn richtigerweise als einen von uns betrachten. Er würde mit einem anderen Menschen nur das Genom teilen, seine Lebensgeschichte würde er immer noch selbst schreiben. Aber er würde diese Geschichte als jemand schreiben müssen, dem seine genetischen Anfangsbedingungen auf eine besondere Weise vorgegeben wurden.

Bei der künstlichen Befruchtung wird der natürliche Befruchtungsvorgang imitiert, beim Klonieren wird etwas getan, das es in der Natur gar nicht gibt. Den Zellkerntransfer als Variante menschlicher Befruchtung kennt die Natur nicht. Damit verdankt der entstehende Mensch seine genetische Ausstattung nicht mehr dem Zufall oder göttlichem Wirken und sie ist nicht neu. Eine wichtige Bedingung von Freiheit und Entzogenheit, die wir bislang alle teilen, entfällt. So sollten wir nicht miteinander umgehen.

Manche vermuten, dass ein durch Zellkerntransfer geklonter Mensch schwere Missbildungen aufweisen würde. Das mag vor allem bei den ersten Versuchen so sein, aber sicher ist nicht, dass es dauerhaft keinesfalls funktionieren kann. Manche vermuten, dass keiner ein Interesse am Fortpflanzungsklonen hat. Diejenigen seien an die Raelianer erinnert, die 2002 unbewiesen die Geburt des Klonbabys Eve verkündeten und jedem Interessierten das Klonen eines Menschen anbieten.

Ein weltweites Verbot des Fortpflanzungsklonens ist notwendig. Und man sollte es nicht noch einmal dadurch verhindern, dass man gleichzeitig ein Verbot des Forschungsklonens fordert und damit mehr will, als erreichbar ist. Forschungsklonen wird umstritten bleiben, und man kann seine Regulierung den Gesetzen der einzelnen Staaten überlassen.

Wir sind frei, unser Leben in Auseinandersetzung mit allem Schicksalhaften zu gestalten. Zunehmende Handlungsmöglichkeiten eröffnen großartige Chancen, können aber auch belasten und überfordern. Gene sind ein Teil unserer Lebensgeschichte. Jeder Einzelne, die Gesellschaft und der Staat sind verantwortlich dafür, dass sie dort ihre angemessene Rolle spielen.