Kliniken Schwerstkranke im Getöse der Maschinen

Die Geräte auf Intensivstationen können erheblichen Lärm verursachen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Piepsen, Brummen, Rufen: Auf vielen Intensivstationen ist es so laut wie in der Nähe einer Schnellstraße. Erste Kliniken gehen dagegen vor.

Von Kim Björn Becker

Auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegen die schwersten Fälle; zum Beispiel Patienten, die nach einer langen Herzoperation erst langsam wieder zu sich kommen. Um trotzdem möglichst schnell zu genesen, brauchen die Kranken dringend Ruhe - doch auf den meisten deutschen Intensivstationen herrscht beinahe rund um die Uhr größte Geschäftigkeit. Der Herzmonitor piept unablässig, das Sauerstoffgerät blubbert, auf dem Flur diskutieren Ärzte und Pfleger über den Zustand der Patienten. Manchmal ist es unter den Neonröhren so laut wie in der Nähe einer Schnellstraße.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, haben mehrere deutsche Krankenhäuser nun sogenannte Lärmampeln aufgestellt. Die Geräte messen ständig den Schallpegel im Raum. Erreicht dieser einen festgelegten Wert, springt die Ampel von Grün auf Gelb oder gar auf Rot - und zeigt dem Personal, dass es zu laut ist. Auf der Intensivstation des Bremer Klinikums Links der Weser ist die höchste Warnstufe bei etwa 70 Dezibel erreicht - das ist so laut wie ein voll aufgedrehter Staubsauger. Für Patientenzimmer wird eigentlich ein Pegel von höchstens 35 Dezibel empfohlen, allerdings kann es schon fast doppelt so laut sein, wenn ein Pfleger ein Glas Wasser auf dem Nachttisch des Patienten abstellt.

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Das hat der Bremer Krankenpfleger Andreas Schneider herausgefunden; ausgestattet mit einem Messgerät hat er akribisch protokolliert, wie laut es in den Krankenbetten werden kann und wo der Lärm herkommt. "Die Geräusche der medizinischen Geräte werden von den Patienten meist hingenommen", sagt Schneider. "Was viele stört, sind laute Gespräche des Personals." Die Ampeln hätten das Personal bereits dazu gebracht, Gespräche möglichst leise oder in einem abgetrennten Raum zu führen, sagt Schneider. Nicht nur in Bremen experimentiert man mit den Geräten, auch Krankenhäuser in Rottweil und Warburg setzen bereits darauf. Schon das Bewusstsein, dass Gespräche zu laut seien, helfe, sagt ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Studien haben gezeigt, dass Patienten, die eine besonders ruhige Umgebung vorfinden, nach einem Eingriff weniger Medikamente benötigen. Auch das gefürchtete Delir, ein verwirrter Geisteszustand nach dem Aufwachen, tritt seltener auf. Aber auch die medizinischen Apparate müssen leiser werden. Manche Herzmonitore fangen an zu blinken statt zu piepen, wenn die Pumpe des Patienten aus dem Takt gerät. Noch einen Schritt weiter denkt Reimer Riessen, Chef der Intensivstation an der Tübinger Uniklinik: "Die eleganteste Lösung wäre, wenn die Alarme nicht mehr am Patientenbett losgehen, sondern stattdessen auf den Smartphones von Ärzten und Pflegern ausgespielt werden." Technisch sei das bereits möglich - aber für viele Kliniken zu teuer.

In Bremen behilft man sich derweil auf besonders kreative Art. Kürzlich hat die Intensivstation sechs Kopfhörer gekauft, die in der Lage sind, Umgebungsgeräusche zu unterdrücken. Was den Schwerkranken zugutekommt, ist eine Technik, auf die bislang vor allem Vielflieger gesetzt haben - die Kopfhörer wurden nämlich eigentlich dafür gebaut, dem monotonen Brummen der Triebwerke zu entgehen.

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