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Handynutzung:Es geht nicht nur um die Bildschirmzeit

Jugendlicher mit Smartphone

Der Blick ins Smartphone: Für Erwachsene ein Stück Freiheit, für Kinder nicht selten traumatisch.

(Foto: Tobias Hase/dpa)
  • Verbringen Kinder und Jugendliche viel Zeit mit Handy und anderen Medien, beeinflusst das ihre schulischen Leistungen nicht unbedingt.
  • Nachteile stellten Forscher allerdings bei jenen fest, die besonders viel Fernsehen schauten oder lange Videospiele spielten.

Aus Sicht vieler Eltern kam das Verderben mit der Verbreitung von Handy, PC und Spielkonsole in die Welt. Sie sehen ihre Kinder mit fahlem Antlitz auf den Bildschirm starren und fürchten, sie für das Leben da draußen verloren zu haben. Anstatt Dämme am Fluss zu errichten, Buden im Wald zu bauen oder wenigstens auf dem Bolzplatz eine Runde zu kicken, daddeln sie einer ungewissen Zukunft entgegen, denn Ausbildung und Schule scheinen oft ja nur noch eine untergeordnete Rolle für den Nachwuchs zu spielen.

Um die schulischen Leistungen müssen sich Eltern jedoch in den meisten Fällen wohl keine Sorgen machen. Dies legt zumindest ein systematischer Überblick spanischer und südamerikanischer Wissenschaftler nahe. Das Team um Mireia Adelantado-Renau zeigt im Fachblatt Jama Pediatrics, dass sich die Dauer der Bildschirmzeit erst bei extremer Nutzung auf das auswirkt, was in der Untersuchung als "akademische Performance" bezeichnet wird und diverse sprachliche sowie mathematische Fähigkeiten umfasst.

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Intensive Nutzung von Videospielen kann problematisch sein. Aber es kommt auf die Art der Spiele an

Auf den ersten Blick sind das erfreuliche Nachrichten, denn gut 28 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in den westlichen Ländern verbringen mehr als vier Stunden täglich am Bildschirm. Im Durchschnitt schauen sie in ihrer Freizeit zwischen 1,8 und 2,8 Stunden Fernsehen, spielen 40 Minuten Videospiele und verbringen 34 Minuten am Computer. In diese Erhebungen sind Internetrecherchen und andere Arbeiten am Bildschirm für Schule oder Ausbildung noch gar nicht eingerechnet, sodass insgesamt weitaus mehr Zeit vor den elektronischen Geräten zustande kommt.

Insgesamt wurden 58 Studien mit mehr als 480 000 Teilnehmern in die Analyse einbezogen. Während die gesamte am Bildschirm verbrachte Zeit keine negativen Auswirkungen auf die schulischen Leistungen zu haben schien, zeigten sich jedoch durchaus Nachteile bei jenen Teilnehmern, die besonders viel Fernsehen schauten oder lange Videospiele spielten. Jugendliche waren in dieser Hinsicht stärker gefährdet als Kinder.

Vor einigen Jahren hatten Analysen bereits erbracht, dass von den Kindern und Jugendlichen, die mehr als sieben Stunden täglich vor dem Bildschirm verbrachten, 40 Prozent weniger einen höheren Abschluss erreichten. "Es ist bekannt, dass die intensive Nutzung von Videospielen soziale und psychische Fähigkeiten beeinträchtigen und zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann", schreiben die Autoren. "Allerdings kommt es sehr auf die Art der Spiele an, denn manche fördern das Sprachverständnis und logisch-abstrakte Fähigkeiten."

Insgesamt haben das häusliche Umfeld, der Ausbildungsgrad der Eltern und deren Unterstützung einen größeren Einfluss auf die Schulleistungen der Kinder als die Bildschirmzeit. In einem begleitenden Kommentar betonen Janis Whitlock von der Cornell University in Ithaca und Philipp Masur von der Uni Mainz, wie uneinheitlich die Ergebnisse solcher Studien sind, und dass neben der Art der Bildschirmtätigkeit auch andere Faktoren eine Rolle beim Schulerfolg spielen. Allein auf die Bildschirmzeit zu starren, bringe wenig. Es mache beispielsweise einen Unterschied, ob Kinder tagsüber oder nachts spielen, allein oder mit anderen, gelangweilt oder engagiert, abgeschieden oder im offenen Raum.

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