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Werbung für Lebensmittel:Simple Botschaften verfangen beim Käufer -auch wenn sie nichts mit der Realität zu tun haben

Der Verbraucher hat kaum Chancen, die Tricksereien zu erkennen. Er müsste schon die etwa 250 bislang zugelassen Health Claims überblicken, sich Nährwertanalysen selbst besorgen und mit großer Disziplin all den Werbefallen entgehen, die im Supermarkt für ihn ausgelegt werden.

Wie utopisch diese Vorstellung ist, zeigt eine Studie der Universität Göttingen, die zusammen mit dem Marktcheck vorgestellt wurde. Entscheidend für den Kauf sind vor allem die simplen Reize des ersten Eindrucks. Ziert das Erfrischungsgetränk eine schlanke Joggerin, glauben deutlich mehr als die Hälfte der Verbraucher, dass das Produkt wenig Kalorien enthält und sich für eine ausgewogene Ernährung eignet. Ohne das Foto der sportlichen Dame sehen nicht einmal 40 Prozent Vorteile in dem Drink. Der erste Eindruck ist erstaunlich robust; ein Blick in die Zutatenliste ändert kaum mehr etwas an der einmal gefassten Meinung.

Die Verbraucherzentralen fordern daher, die wichtigsten Produktinformationen schon auf die Vorderseite der Verpackung zu drucken. Dabei sollten allgemeinverständliche Definitionen anstelle der heute üblichen Spitzfindigkeiten und Schlupflöcher treten. Wer geht schon davon aus, dass ein Ketchup mit dem Aufdruck "ungesüßt" zwar keinen Zucker, aber immerhin noch Süßstoffe enthalten darf? 70 Prozent haben keine Ahnung und werden damit irregeleitet, ergab die Göttinger Untersuchung. Verbrauchern kann unterdessen geraten werden, solche Lebensmittel zu kaufen, die möglichst wenig Zutaten und Verpackung haben. Denn dies bedeutet auch, weniger Raum für Tricksereien.

© Süddeutsche.de/beu/reek/dd
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