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Keime am Arbeitsplatz:Das Büro lebt

Büroangestellte sitzen auf Unmengen von Mikroben - und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Panisch aus dem Stuhl aufzuspringen, nützt indes wenig. Die Keime besiedeln noch weitere Stellen am Arbeitsplatz.

Einzelbüros sind eine feine Sache. Niemand hört die Schimpftiraden, mit denen man auf den Computer losgeht, oder die halblaut gemurmelten Gedankenschnipsel. Und dem Arbeitsklima kann es auch guttun, wenn man ab und zu eine Tür zwischen sich und den Kollegen schließen kann. Nur: Allein ist man in seinem Zimmer dann immer noch nicht. Und wird es auch nie sein. Denn in jedem Büro leben Tausende Bakterien: Keime, die der menschliche Zimmerbewohner auf und in seinem Körper, auf Schuhen und Taschen mit an den Arbeitsplatz gebracht hat. Dies bestätigt eine aktuelle Untersuchung, deren Ergebnisse Forscher um Krissi Hewitt von der San Diego State University in der Fachzeitschrift PLoS One beschreiben (Bd. 7, S. e37849, 2012).

Büros mit Keimen belastet

Ein ganzer Mikrokosmos von Keimen findet sich auf vielen Oberflächen im Büro.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In insgesamt 90 Büros in New York, San Francisco und Tucson haben die Forscher jeweils die gleichen Oberflächen untersucht: Schreibtischstühle, Telefone, Computermäuse, Tastaturen und Tischplatten. Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Wem unwohl bei dem Gedanken ist, sein Büro mit einer Horde Einzeller zu teilen, der sollte ab und zu im Stehen arbeiten und Telefonate besser meiden.

Die meisten Bakterien fanden die Forscher nämlich auf Telefonen sowie Stühlen. Zumindest in den untersuchten Zimmern waren Tastaturen hingegen weniger stark belastet - auch wenn sie optisch wie haptisch manchmal an jene klebrigen Streifen erinnern, an denen Fliegen haften bleiben sollen.

Computermaus und Schreibtisch sind Hewitts Studie zufolge ebenfalls weniger beliebt bei Keimen als etwa der Bürostuhl. Dieser bietet Bakterien auch deshalb einen guten Lebensraum, weil der menschliche Zimmernutzer die Polster auf eine Mikroben-freundliche Temperatur erwärmt.

Die Dichte der Keim-Besiedelung hing aber nicht nur von der untersuchten Oberfläche ab - sondern auch davon, ob das Zimmer von Mann oder Frau genutzt wurde. In Männerbüros lebten im Durchschnitt zwar die gleichen Bakterien wie in den Zimmern weiblicher Mitarbeitern. Insgesamt identifizierten die Forscher mehr als 500 verschiedene Bakteriengattungen. Unabhängig vom Geschlecht des Büro-Nutzers gehörten 90 Prozent der Keime zu einer von vier Gruppen: den Proteobacteria, den Firmicutes, den Actinobacteria und den Bacteroides. Auffällig aber war: In Männerbüros lebten deutlich mehr Mikroben.

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