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Kassenstudie:Medikamente ohne Zusatznutzen werden zu oft verschrieben

Immer wieder ergeben die Überprüfungen neuer Arzneimittel, dass etwa die Hälfte den alten nicht überlegen ist. Die Konsequenz? Patienten bekommen die durchgefallenen Präparate trotzdem.

Neu heißt nicht zwangsläufig besser. Dass diese Erkenntnis auch für Arzneimittel gilt, ist spätestens klar, seit alle neuen Wirkstoffe einer Nutzenbewertung unterzogen werden müssen. Diese Überprüfungen ergaben bislang, dass nur etwa jedes zweite neue Medikament den alten überlegen ist. Doch diese Erkenntnisse scheinen längst nicht in jede Arztpraxis vorzudringen. Medikamente, denen ein Zusatznutzen abgesprochen wurde, werden noch immer häufig verordnet, ergab eine Analyse der Krankenkasse DAK.

So verzehnfachte sich der Umsatz des Multiple-Sklerose-Medikaments Fampyra, obwohl Vorteile gegenüber anderen Behandlungsmethoden nicht nachgewiesen sind. "Über die Gründe, warum Ärzte sich häufig nicht an der wissenschaftlichen Bewertung orientieren, lässt sich nur spekulieren: Möglicherweise spielen hier Informationsmängel eine Rolle", sagt Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit.

Neue Medikamente sind nicht nur sehr teuer, sie bergen auch das Risiko seltener Nebenwirkungen, die in den Zulassungsstudien nicht erkannt wurden.

Seit 2011 gibt das sogenannte Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) vor, dass neue Wirkstoffe auf ihren Zusatznutzen überprüft werden müssen. Bis Ende 2014 wurden knapp 100 Arzneimittel getestet. Nur 55 Prozent hatten einen Zusatznutzen; lediglich bei 21 Prozent war dieser Nutzen beträchtlich. Die Analyse der DAK berücksichtigte 58 Wirkstoffe, die bis 2013 überprüft wurden.

© Süddeutsche.de/beu
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