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Kabinett der Kalamitäten:Die Blase kann nicht platzen

Wer sich Sorgen über seine Performance auf der Schüssel macht, sollte auch wissen: Es gibt keinerlei Norm, was die Geschwindigkeit des Toilettenbesuchs anbelangt. Gewisse Anlaufschwierigkeiten scheinen allerdings normal zu sein. In der US-Studie brauchten auch jene, die sich unbeobachtet wähnten, fünf Sekunden, ehe das Wasser floss. Kamen ihnen die Beobachter nahe, verlängerte sich das Zögern auf acht Sekunden. Der ganze Vorgang nahm 25 Sekunden in Anspruch.

Man kann auf Basis dieser Kenntnisse also entspannt abwarten, wenn es auf dem Örtchen länger still bleibt. Männern hilft es bisweilen, wenn sie sich in eine Kabine zurückziehen; Geräusche in der Umgebung können dazu beitragen, sich weniger belauscht zu fühlen.

Kein Erfolg ist dagegen von einem Training der Blase zu erwarten. Das Fassungsvermögen von zirka einem halben Liter lässt sich nicht erweitern. Wird es überschritten, platzt die Blase nicht, sondern läuft über. Ebenfalls keine Lösung ist, das Trinken einzustellen. Trocknet der Mensch aus, drohen noch viel mehr Organe eingeschüchtert zu reagieren; es kann zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Verstopfung, Herzrasen, Verwirrtheit, Sehproblemen, Nierenproblemen und Muskelkrämpfen kommen.

Zu mehr Gelassenheit trägt vielleicht auch die Information bei, dass die Fälle, in denen die Paruresis zur echten Belastung wird, gut behandelbar sind. Verhaltenstherapien hatten Erfolg.

Kabinett der Kalamitäten So flutscht die Pille
Serie über Alltagsbeschwerden
Kabinett der Kalamitäten

So flutscht die Pille

Brocken aus dem Blister: Mehr als die Hälfte aller Kinder und ein Drittel der Erwachsenen haben Probleme beim Tablettenschlucken. Doch es gibt ein paar Tricks.   Von Berit Uhlmann

Ganz Mutige können einen Workshop besuchen, den die Internationale Paruresis-Vereinigung auch in Deutschland anbietet. Auf dem Programm stehen gemeinsame "Praxis-Sitzungen" und "Gruppen-Diskussionen" über den Ausgang dieser Sitzungen. Wer Derartiges durchsteht, dürfte seiner Blase einen gewaltigen Kick fürs Ego verschafft haben.

Hinweis: In dieser Serie beschäftigen wir uns mit Phänomenen, die im Alltag als sehr störend erlebt werden, in den meisten Fällen jedoch keinen echten Krankheitswert haben. Allerdings - auch dies wollen wir hier zeigen - sind Menschen sehr unterschiedlich. So können die Beschwerden in manchen Fällen einen starken Leidensdruck erzeugen, den wir keineswegs bagatellisieren wollen. Wessen Lebensqualität leidet, sollte sich auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen.