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Internetabhängigkeit:Ein Tag pro Woche computerfrei

Pathologischer Internetgebraucht wird - wie jede andere Sucht auch - in spezialisierten Kliniken oder Ambulanzen therapiert. Auch die meisten Suchtberatungsstellen haben sich schon auf die neue Klientel eingestellt. Da Internetsucht immer zusammen mit anderen Störungsbildern auftritt, können die Kosten für den Entzug über die Nebendiagnose bei den Krankenkassen abgerechnet werden. In der Hamburger Klinik wird Internetsucht zum Beispiel als "Impulskontrollstörung" klassifiziert.

In den Therapiesitzungen lernen Abhängige, ihre Online-Zeiten stark zu reduzieren, sagt Thomasius. Jene Seiten oder Applikationen, die in die Anhängigkeit führten, sind tabu. In der Therapie werden Patienten dabei unterstützt, vernachlässigte Aktivitäten und Kontakte wieder aufzubauen. Parallel dazu geht es darum, die Selbstwahrnehmung zu stärken und herauszufinden, welche Probleme im Hintergrund der Sucht zu finden sind.

"Wir analysieren mit den Betroffenen Faktoren, die sie in die Versuchung führten, und üben Handlungsweisen, wie sie ihnen künftig widerstehen können", sagt Klaus Wölfling, Leiter der Ambulanz für Spielsucht an der Psychosomatischen Klinik der Universitätsmedizin Mainz. Die Rückfallquote unter Online-Süchtigen liegt in der Mainzer Ambulanz nach einem Jahr bei rund 50 Prozent.

Wölfling erlebt häufig, dass hinsichtlich des Abhängigkeitsrisikos große Ahnungslosigkeit herrscht. "Patienten, die zu uns kommen, sind oft überrascht, dass sie süchtig geworden sind", berichtet der Psychologe. Erhebliches Suchtpotenzial böten neben dem bekannten Rollenspiel "World of Warcraft" auch die Internetspiele "MineCraft", "League of Legends", FIFA-Spiele, kombiniert mit Geldwetten, sowie Facebook.

"Ich würde mir wünschen, dass es für das Suchtmittel Internet ein ähnliches Bewusstsein gäbe wie für Drogen", sagt Thomasius. Gerade Eltern hätten einen großen Nachholbedarf. Der Suchtexperte plädiert hier für eine Mischung aus Anleitung und Restriktionen. Erwachsene sollten klare Zeitgrenzen setzen und Computer nicht ins Kinderzimmer stellen. Es sei wichtig, dass sich Eltern für die Spiele ihrer Kinder interessieren und sich damit auseinandersetzen.

Thomasius rät zudem, mindestens einen Tag pro Woche computerfrei zu lassen. Zur Vorbeugung gehöre auch, andere Interessen und Hobbys jenseits des Internets zu fördern, bei denen Kinder und Jugendliche Selbstbestätigung finden. Dann müssen sie nämlich nicht im Netz danach suchen.

Mehr zum Thema Abhängigkeit lesen Sie in unserem Ratgeber Suchterkrankungen.