GesundheitSind das die Viren, von denen die nächste Pandemie ausgeht?

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Virus-Schnelltest – noch sehr vertraut aus der Corona-Pandemie.
Virus-Schnelltest – noch sehr vertraut aus der Corona-Pandemie. Michael Bihlmayer/IMAGO
  • Forscher warnen vor Influenza-D-Virus und Hunde-Coronavirus als mögliche Pandemie-Auslöser, da beide bereits Menschen infiziert haben und die meisten keine Immunität gegen diese Erreger besitzen.
  • Bei 97 Prozent der untersuchten Farmarbeiter in Colorado und Florida wurden Antikörper gegen das Influenza-D-Virus gefunden, ohne dass sie Krankheitssymptome zeigten.
  • Das Vogelgrippevirus H5N1 steht auf der WHO-Prioritätenliste und hat sich in den USA in Viehställen ausgebreitet, wobei auch Menschen befallen wurden.
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Ein Forscherteam aus den USA warnt vor neuen Corona- und Influenza-D-Viren. Wie groß das Risiko wirklich ist – und welche anderen Erreger Experten derzeit besonders in den Blick nehmen.

Von Hanno Charisius

Während die Welt noch mit den Nachwirkungen der Corona-Pandemie zu ringen hat, warnen Epidemiologen bereits vor weiteren Erregern, die einen weltumspannenden Seuchenzug auslösen könnten. Das Team um die Mediziner Gregory Gray und den Mikrobiologen John Lednicky sieht in dem Influenza-D-Virus und einem Hunde-Coronavirus zwei Kandidaten mit einem solchen Potenzial. Das Wissen über diese Erreger beschränke sich derzeit nur auf eine kleine Zahl von Studien, warnen die Autoren im Fachjournal Emerging Infectious Diseases.

„Wenn diese Viren die Fähigkeit entwickeln, sich leicht von Mensch zu Mensch zu übertragen, können sie Epidemien oder Pandemien auslösen“, schreibt Lednicky von der University of Florida in einem Statement. „Die begrenzten Daten zu diesen neu entdeckten Viren deuten darauf hin, dass sie eine große Gefahr für die öffentliche Gesundheit darstellen.“

Die von den Forschern beschriebenen Pathogene kursieren eigentlich unter Tieren, erstmals tauchten sie im Jahr 2011 bei Schweinen auf. Doch beide Erreger haben bereits den Weg zum Menschen geschafft. Die Autoren der Studie beschreiben, wie bei Blutentnahmen von Farmarbeitern in Colorado und Florida in 97 Prozent der untersuchten Proben Antikörper gegen das Influenza-D-Virus gefunden wurden.

Die Antikörper weisen darauf hin, dass die untersuchten Probanden bereits Kontakt mit dem Erreger hatten, von merklichen Symptomen gab es jedoch keine Berichte. „Das heißt nicht, dass diese Menschen auch eine Infektion hatten, Influenza-D-Viren sich in den Zellen vermehrt hätten und ausgeschieden wurden“, sagt der Virologe Markus Hoffmann vom Deutschen Primatenzentrum in Göttingen, der nicht an der Studie beteiligt war.

Aus der Beobachtung lasse sich aber ableiten, so Hoffmann, „dass diese Viren häufiger auftreten als bislang gedacht“. Auch wenn die Erreger bislang offenbar keine Gefahr für den Menschen darstellen, sollte man sie im Blick haben, so der Virologe – also „zumindest wissen, welche Stämme derzeit in Tieren zirkulieren“. Denn Influenzaviren können durch Austausch von Erbgut-Abschnitten untereinander plötzlich neue Eigenschaften entwickeln und damit Menschen „effizient infizieren und krank machen“, so Hoffmann.

Das Vogelgrippevirus könnte eine neue Pandemie starten

Das Hunde-Coronavirus, das Gray und sein Team ebenfalls als bedenklich einstufen, ist nur entfernt verwandt mit dem Pandemievirus Sars-CoV-2 und hat bereits Menschen in Südostasien befallen. Mittlerweile konnten Experten das Virus bei Patienten in Malaysia, Haiti, Thailand, Vietnam und im US-Bundesstaat Arkansas nachweisen.

Solche Fälle würden meist gefunden, wenn Wissenschaftler Proben von Patienten mit Lungenentzündung ungeklärter Ursache untersuchten, sagt Hoffmann. „Wenn man dann solche Viren findet, bedeutet das aber noch nicht, dass diese tatsächlich Ursache für die Erkrankung waren.“ Doch seien solche Funde Hinweise darauf, dass man auch diese Erreger im Auge behalten sollte. Denn es passiere „häufiger, als man denkt“, dass Viren von Tieren auf Menschen überspringen, sagt Coronaviren-Experte Hoffmann.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits im Jahr 2016 eine Liste erstellt, die besonders gefährliche Erreger aufzählt; zuletzt 2024 aktualisiert. Mehr als 30 Pathogene sind dort gelistet, unter anderem Sars- und Mers-Coronaviren, Mpox sowie zahlreiche Subtypen von Influenza-A-Viren, zu denen auch das Vogelgrippevirus H5N1 zählt. Als mögliche Pandemiekandidaten stehen auch Dengue- und Chikungunya-Viren auf der Liste der WHO, nicht aber Influenza D und das Hunde-Coronavirus.

Hoffmann hält es für nachvollziehbar, dass Gray und seine Kollegen genau diese beiden Erreger derzeit hervorheben: Es sind die Viren, mit denen diese Arbeitsgruppe arbeitet. „Also haben sie auch ein Interesse, da das Spotlight draufzusetzen.“ Er würde dementsprechend die Aufmerksamkeit auf Mers-Coronaviren richten, von denen schon lange bekannt ist, dass sie auch Menschen befallen können und zu schweren Krankheitsverläufen führen. Noch weit häufiger als die ersten Varianten von Sars-CoV-2.

Aber er betont auch, dass man die Influenzaviren und insbesondere H5N1 gut überwachen müsse. Erst kürzlich konnten Experten das Influenzavirus vom Subtyp H5N1 bei einer kranken Kuh in den Niederlanden aufspüren. In den USA hat sich der Vogelgrippe-Erreger bereits in vielen Viehställen ausgebreitet und auch einige Menschen befallen. „Das Virus grassiert dort unter Kühen munter weiter“, sagt Hoffmann. Bisher aber sei der Erreger anscheinend für den Menschen nicht besonders gefährlich. „Die Frage ist, wie viele Mutationen es braucht, bis sich das ändert und wir in der nächsten Pandemie stecken.“

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