Infektionskrankheiten Pockenviren bleiben vorerst in den Laboren

Pockenviren unter dem Mikroskop

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Vernichten oder weiter für die Forschung bewahren? Seit Jahrzehnten wird über das Schicksal der letzten Pockenviren gestritten. Zu einer Zerstörung der Bestände können sich Experten bislang nicht durchringen.

Die Weltgesundheitsversammlung hat keine Entscheidung über das Schicksal der letzten Pockenviren getroffen. Die Experten konnten sich am Wochenende auf kein Datum zur Zerstörung der Erreger einigen, sagte ein Sprecher der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie werden also weiter in den Hochsicherheitslaboren in den USA und in Russland aufbewahrt.

In Vorfeld der WHO-Versammlung hatten sich zwei Expertengruppen - eine unabhängige und eine von der WHO eingesetzte - überwiegend für die Zerstörung der Viren ausgesprochen. Die WHO-Gruppe wollte jedoch die Viren noch solange nutzen, bis Medikamenten gegen die Pocken marktreif sind. Zwei Medikamente sind weit entwickelt, haben aber noch keine Zulassung.

Andere Wissenschaftler wollen die Forschung auf Grundsatzfragen ausweiten, da bis heute nicht verstanden ist, warum die Erreger so gut an den Menschen angepasst waren. Auch die Möglichkeit eines bioterroristischen Anschlags ist für einige Forscher und Politiker ein Argument, die Viren zu bewahren. Ob es außerhalb der beiden bekannten Labore noch Exemplare der menschlichen Pockenviren gibt, ist mit letzter Sicherheit nicht zu sagen. Die Pocken sind seit 1980 offiziell ausgerottet. Seither hält die Diskussion um die letzten Erreger an.