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Infektionskrankheit:Das Virus kommt auch im Fleisch vor

Und noch etwas macht den Forschern sehr zu schaffen: Hepatitis E ist eine Krankheit an der Schnittstelle von Tieren und Menschen. Für ein besseres Verständnis des Erregers müssen Mediziner mit Tierärzten und Experten für Lebensmittelsicherheit zusammenarbeiten. Unter dem Schlagwort "One Health" werben Infektionsforscher seit langem für diese interdisziplinäre Kooperation. Denn ein Erreger wie Hepatitis E kann nicht allein im Krankenhaus bekämpft werden. Man muss auch im Schweinestall oder im Supermarktregal gegen ihn vorgehen.

Gleichzeitig liefert das ein starkes Argument gegen einen Test für Blutspenden: Selbst wenn Transfusionen kein Risiko mehr darstellen, können Menschen sich mit hoher Wahrscheinlichkeit woanders anstecken. Am Wichtigsten sei, die Ansteckung mit Hepatitis E generell zu verhindern, sagt daher Hans Zaaijer vom niederländischen Blutspendedienst Sanquin: "Essen und Wasser sollten frei von diesem Virus sein."

Doch das ist eine enorme Herausforderung. Zum einen ist noch immer unklar, wie sich das Virus ausbreitet. Bekannt ist, dass der Erreger oft in Schweinen vorkommt und dass manche Tiere das Virus im Körper tragen, wenn sie geschlachtet werden. Der niederländische Veterinärvirologe Wim van der Poel hat zwischen 2010 und 2015 die genetische Sequenz von Hepatitis E bei Tieren und Menschen verglichen.

Wenn ein Mensch sich durch eine Bluttransfusion angesteckt hatte, wurde das Erbgut des Virus sequenziert und in einer Datenbank nach der ähnlichsten genetischen Sequenz gesucht. "Das war immer ein Schweinevirus aus der gleichen Gegend", sagt er. Die Blutspender hatten sich also vermutlich über das Fleisch infiziert. In einer Region in Südfrankreich konnten Infektionen sogar auf ein bestimmtes Lebensmittel zurückgeführt werden, eine Wurst namens Figatellu, die aus roher Schweineleber hergestellt wird.

20 Minuten Erhitzen bei 70 Grad zerstören den Erreger im Schweinefleisch

Forscher suchen dennoch weitere Lebensmittel, die das Virus verbreiten könnten. Reimar Johne am Bundesinstitut für Risikobewertung zum Beispiel. Das ist nicht leicht, weil es bisher keine gute Möglichkeit gibt, Hepatitis E im Labor zu vermehren. Johne kann also nur das Erbgut des Virus nachweisen. "Das sind oft winzige Mengen", sagt Johne. Er möchte vor allem herausfinden, wie sich Menschen schützen können. 20 Minuten Erhitzen bei 70 Grad zerstören den Erreger im Schweinefleisch zuverlässig. Aber was ist mit Trocknen, Räuchern, Pökeln? In Leberwurst hat der Forscher das Virus nachweisen können. "Vermutlich kommt es auch in rohem Hackfleisch vor. Ob es aber in einer Salami noch infektiös ist, wissen wir nicht", sagt Johne.

Tiermediziner untersuchen unterdessen, wie sich der Erreger in Schweineherden ausbreitet. Offenbar infizieren sich die meisten Ferkel drei bis sechs Monate nach der Geburt mit dem Virus, wenn der Schutz durch die mütterlichen Antikörper nachlässt. Der Erreger macht die Tiere allerdings nicht krank. Darum haben Bauern wenig Interesse daran, die Seuche zu bekämpfen.

Dabei gäbe es Möglichkeiten. So hat ein chinesisches Unternehmen einen Impfstoff namens Hecolin entwickelt, der Menschen vor Hepatitis E schützt. Hecolin hatte sich in einer Studie an mehr als 100 000 Menschen bewährt und wurde 2011 zugelassen. In Ländern, in denen die aggressiveren Typen 1 und 2 gefährliche Ausbrüche verursachen, ist die Impfung von Menschen sinnvoll, sagt Zaajer. In Europa käme so ein Impfstoff eher für Schweine infrage.

Wenn allerdings nicht alle Tiere konsequent geimpft werden, breitet sich das Virus weiter in den Herden aus, nur langsamer als zuvor. Dann könnten Tiere später im Leben infiziert werden und am Ende mehr Schweine das Virus in sich tragen, wenn sie das Schlachtalter erreichen. Dann würde das Risiko für Menschen sogar steigen, sagt Zaaijer.

In der Praxis ist das hehre Konzept der "One Health" daher schwer umzusetzen. Und Medizinern bleibt nichts anderes übrig, als das Virus im Krankenhaus zu bekämpfen. Zugelassene Medikamente gibt es bisher nicht. Bei manchen Patienten lässt sich jedoch das Immunsystem stärken, so dass der Körper das Virus aus eigener Kraft besiegt. Im Fall von Holger Stadler könnte das allerdings dazu führen, dass der Körper auch das transplantierte Organ wieder abstößt. Hier bleibt Ärzten nur die Möglichkeit, auf Ribavarin auszuweichen, ein Medikament, das eigentlich gegen Hepatitis C eingesetzt wird. Auch Holger Stadler nimmt das Medikament ein. Jeden Tag schluckt er zwei Pillen. So wollen die Ärzte nun das Virus besiegen. Sollte das nicht gelingen, könnte Stadler nach dem neuen Herz auch eine neue Leber brauchen.