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Corona-Vakzin:Neuer Kandidat im Impfstoff-Drama

FILE PHOTO: A Novavax logo is reflected in a drop on a syringe needle in this illustration

Neue Hoffnung: Auch der Impfstoff der US-Firma Novavax scheint hochwirksam zu sein.

(Foto: DADO RUVIC/REUTERS)

Zwar häufen sich die Pannen bei der Impfung gegen Sars-CoV-2, doch das Vakzin des kleinen US-Herstellers Novavax weckt Hoffnung.

Von Werner Bartens

Wenn Lieferengpässe drohen, Vakzine fehlen und die Hersteller auf Verpflichtungen mit anderen Staaten verweisen, wird jedes positive Signal über Impfstoffe als Erfolgsmeldung aufgenommen. Zu Euphorie besteht zwar wenig Anlass, aber nach einer guten Nachricht klingt es durchaus, was der kleine US-Hersteller Novavax über seinen Impfstoffkandidaten mitgeteilt hat: NVX-CoV2373, so die Abkürzung des proteinbasierten Vakzins, liegt demnach bei nahezu 90 Prozent Wirksamkeit. Zudem hätten abschließende klinische Studien gezeigt, dass die Impfung genauso gut gegen die englische Mutante von Sars-CoV-2 wie gegen den "Wildtyp" wirkt. In einem früheren Abschnitt der klinischen Prüfung hätte sich zudem auch eine gute Wirksamkeit gegen die südafrikanische Variante gezeigt.

Zur Erinnerung: Die Wirksamkeit der mRNA-basierten Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna beläuft sich Studien zufolge auf 95 und 94,1 Prozent, der von Astra Zeneca kommt auf 70,4 Prozent, wies aber zu wenige Studienteilnehmer unter den Hochbetagten aus - da können sich die 89,3 Prozent Wirksamkeit von Novavax durchaus sehen lassen. Der nur mit einer Spritze zu verabreichende Impfstoff von Johnson & Johnson kommt nach vorläufiger Mitteilung des Herstellers auf eine ähnliche Wirksamkeit wie der von Astra Zeneca, kann aber schwere Verläufe ähnlich gut verhindern wie die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna.

Paul Heath, Experte für Infektionskrankheiten von Kindern an der Universität London, ist denn auch begeistert vom Novavax-Vakzin, von den "enorm aufregenden Ergebnissen", die zeigen würden, dass der Impfstoff "hocheffektiv gegen Covid-19 ist und zudem auch - ganz wichtig - gegen die sich so schnell verbreitende englische Variante des Virus hilft". In England war die neue Mutante aufgetreten, während die Studie noch lief ,und galt zuletzt als Auslöser für mehr als die Hälfte aller Neuinfektionen in Großbritannien.

Das Vakzin scheint in der älteren Bevölkerung gut zu wirken - und gegen die englische Mutante

Nun ist Heath an der Studie beteiligt und daher befangen, doch auch andere Fachleute sind angetan vom Novavax-Impfstoff, dessen Zulassung in Europa nicht mehr lange auf sich warten lassen dürfte. "Es gibt eine starke Schutzwirkung durch diesen Impfstoff", sagt Peter Openshaw vom Imperial College London. Dass die in Großbritannien an mehr als 15 000 Freiwilligen erzielten Ergebnisse so exzellent ausgefallen seien, spreche zudem für eine hohe Wirksamkeit auch gegen die englische Mutante. In der ersten Phase der klinischen Studie habe es bereits eine starke Bildung von Antikörpern wie auch eine deutliche T-Zell-Antwort gegeben. Beides ist eine deutliche Reaktion des Immunsystems, wie sie nach Impfungen erwünscht ist.

Zudem scheint das Vakzin von Novavax auch in der älteren Bevölkerung gut zu wirken. Allein unter den 15 000 Teilnehmern der Prüfstudie in Großbritannien waren 27 Prozent im Alter zwischen 65 und 84 Jahren. Der Impfstoff von Astra Zeneca wurde zuletzt nicht mehr für diese Altersgruppe empfohlen, weil es zu wenige Senioren in den klinischen Studien gab und daher kaum zuverlässige Aussagen über die Wirksamkeit möglich sind. Neben dem Eingeständnis des Herstellers, vorläufig weitaus weniger Vakzin liefern zu können als zugesagt, ist es ein weiteres Ärgernis, wenn der Impfstoff ausgerechnet in der Gruppe mit dem größten Risiko für schwere Krankheitsverläufe nicht angewendet werden kann.

Mit dem Impfstoff von Novavax bekommt das Immunsystem Eiweißbestandteile des Coronavirus präsentiert, genauer: Schnipsel des Spike-Proteins, mit dem Sars-CoV-2 in Zellen eindringt. Dagegen bildet das Abwehrsystem Antikörper, und T-Zellen werden aktiviert. Diese Immunreaktion schützt vor einer schweren Erkrankung, sollte es später zur Infektion kommen. Novavax, das seinen Firmensitz in Gaithersburg, 40 Kilometer nordwestlich von Washington D.C. hat, war der einzige Impfstoffhersteller unter den aussichtsreichen Kandidaten, der sich für den proteinbasierten Ansatz entschieden hatte.

Für die südafrikanische Mutante sind die Studiendaten nicht ganz so erfreulich, obwohl sich auch hier eine Schutzwirkung während der abschließenden klinischen Prüfung gezeigt hat. In der Variante aus Südafrika betreffen gleich drei Mutationen die Rezeptorbindungsdomäne des Virus, also jenen Teil des Spike-Proteins, der für das Eindringen in die Zelle besonders wichtig ist. "Einen gewissen Schutz bietet der Novavax-Impfstoff schon", sagt Peter Openshaw. "Allerdings zeigt sich inzwischen leider auch, dass eine frühere Infektion mit Sars-CoV-2 nicht vollständig gegen eine Ansteckung mit einer neuen Mutante schützt."

Inzwischen gibt es weitere Hinweise, was die neuen Varianten von Sars-CoV-2 von der ursprünglichen unterscheidet. Offenbar treten neben Gliederschmerzen und Erschöpfung auch Husten und andere Erkältungssymptome etwas häufiger auf. "Diese auf den ersten Blick trivial klingenden Unterschiede könnten erklären, warum die Mutanten ansteckender sind als der Wildtyp", sagt der Virologe Richard Tedder vom Imperial College London. Im Vergleich zum Originalvirus aus Wuhan weist die englische Variante 23 Unterschiede auf. "Diese Veränderungen können sowohl die Immunantwort des Körpers beeinflussen als auch das Spektrum der Symptome verändern", sagt der Virologe Lawrence Young von der Universität Warwick.

© SZ/weis
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