Immer alarmbereitDas Immunsystem reagiert sogar auf virtuelle Gefahren

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Darstellung einer Versuchsperson mit einer VR-Brille.
Darstellung einer Versuchsperson mit einer VR-Brille. Lombardini22/dpa
  • Eine neue Studie zeigt, dass das menschliche Immunsystem bereits auf den Anblick potenzieller Infektionsquellen in virtueller Realität reagiert.
  • Wissenschaftler der Universitäten Lausanne und Genf beobachteten erhöhte Gehirnaktivität und Immunzellenreaktionen bei Probanden, die virtuellen Avataren mit Infektionsanzeichen begegneten.
  • Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Gehirn eine frühe physiologische Reaktion auf mögliche Infektionen orchestrieren kann, noch bevor Krankheitserreger im Körper sind.
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Das Immunsystem schützt Menschen vor Gefahren, etwa indem es Infektionen bekämpft. Eine neue Studie zeigt jetzt, wie sensibel das Immunsystem reagiert

Das Immunsystem des Menschen ist so wachsam, dass es bereits auf den Anblick einer möglichen Infektionsquelle reagiert – selbst wenn dieser potenzielle Infektionsherd menschlichen Probanden nur in virtueller Realität präsentiert wird. Das berichten Wissenschaftler der Universitäten Lausanne und Genf nach einem Experiment in der Fachzeitschrift Nature Neuroscience.

Das Team um die Hauptautoren Camilla Jandus und Andrea Serino zeigte knapp 250 Versuchsteilnehmerinnen und -teilnehmern über ein Kamera-Headset sich bewegende Avatare mit menschenähnlichen Gesichtern. Einige dieser digitalen Personen  hatten Anzeichen von Infektionen wie etwa Ausschlag oder Husten. Während die Probanden die Avatare sahen, untersuchte das Team ihre Gehirnaktivität unter anderem per EEG aber auch per Magnetresonanztomografie (fMRT). Außerdem analysierten die Forschenden Blutproben der Probanden.

Die Daten der Hirnuntersuchungen zeigten, dass die Teilnehmenden im Durchschnitt empfindlicher auf Berührungen reagierten, wenn die krank wirkenden Avatare ihnen in der virtuellen Realität sehr nahe kamen. Dies deute auf eine Alarmbereitschaft des Organismus hin, interpretiert das Team die Beobachtung. Die Gehirne der Probanden wurden demnach in jenen Regionen besonders aktiv, die an der Integration sensorischer Informationen und der räumlichen Wahrnehmung beteiligt sind, wenn sich infektiöse Avatare näherten. Traten ihnen hingegen Avatare mit neutralen oder ängstlichen Gesichtern in der virtuellen Realität entgegen, trat diese Hirnaktivität nicht auf.

Die Blutproben der Teilnehmenden zeigten nach virtuellem Kontakt mit infektiös aussehenden Avataren zudem eine erhöhte Aktivität einiger Immunzellen. Diese Reaktion des Immunsystems ähnele der Antwort auf eine reale Infektion oder einer Impfung, heißt es in einer Pressemitteilung zu dem Fachartikel. Die Autoren argumentieren, dass das Gehirn eine frühe physiologische Reaktion auf eine potenzielle Infektion orchestrieren kann, um das Immunsystem vorzubereiten.

Schon das Gehirn könne demnach eine frühe Reaktion des Körpers auf eine mögliche Infektion in die Wege leiten, schreibt die Gruppe. Das geschehe bereits, noch bevor Krankheitserreger im Körper seien. Das Resultat zeige, wie empfindlich das Immunsystem sogar auf Hinweise für Infektionskrankheiten reagiere. Das Team betont aber auch, dass es bislang keine solche Untersuchungen gab, die Immunreaktionen auf virtuelle Reize untersuchten, ihre Studie haben daher „explorativen“ Charakter. Dennoch betont das Team die zentrale Bedeutung eines Mechanismus, der dabei hilft, potenziell bedrohliche Begegnungen frühzeitig zu erkennen uns sich gegebenenfalls zu schützen.

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