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Ihre Frage:Wann kommt die Pille gegen Karies?

KINA - Zähne

Keine Angst mehr vor Karies? Noch ist der Traum nicht wahr.

(Foto: dpa)

Bohren ade? Seit Jahren tüfteln Forscher an einem Wirkstoff, der Kariesbakterien vertreiben soll. Wie weit ist die Entwicklung? Antwort aus der Redaktion.

Ihre Frage

Leser Ronald W. möchte wissen, was aus einem Forschungsvorhaben geworden ist, über das wir vor Jahren berichtet haben:

Kommt die Pille gegen Karies?

Unsere Antwort

Von Berit Uhlmann, Mitarbeiterin im Gesundheitsressort von Süddeutsche.de:

Es ist eine schöne Vorstellung, könnte ein Medikament Zahnschmerzen, das Kreisen des Bohrers, unansehnliche Füllungen und all die anderen Folgen von Karies beseitigen. Tatsächlich ist die Idee auch gar nicht so weit hergeholt. Denn Karies entsteht im Wesentlichen durch das Bakterium Streptococcus mutans und gegen Bakterien hat der Mensch eine ganze Reihe von Medikamenten im Arsenal stehen.

Das Problem ist nur, dass herkömmliche Antibiotika wohl einen Großteil aller Bakterien im Mund zerstören dürften. Solch ein Großangriff hinterließe ein Vakuum, das Keime mit vollem Elan erneut besiedeln würden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wäre Streptococcus mutans ganz vorne mit dabei, denn der Erreger findet sich in fast jedem erwachsenen Mund. Es reicht schon, einen Löffel mit einem anderen Menschen zu teilen, um sich zu infizieren.

Also braucht es eine gezielte Waffe gegen die Kariesbakterien, die den anderen Keimen nicht schadet. Forscher der University of California haben mittlerweile einen Kandidaten für diese Aufgabe identifiziert: Auch wenn er den wenig eingängigen Namen C16G2 trägt, scheint es sich doch um mehr als akademische Gedankenspiele zu handeln. Die Wissenschaftler treiben die Entwicklung des Wirkstoffs mit Hilfe eines Biotechnologie-Unternehmens aus Los Angeles voran, das 60 Millionen Dollar dafür eingesammelt hat.

Die allergrößte Hürde hat das Vorhaben schon genommen. Die Entwicklung ist in die klinische Phase eingetreten, der Stoff wird nun an Menschen getestet. Der Großteil wissenschaftlicher Ideen kommt gar erst nicht so weit.

Vor wenigen Tagen hat die Firma eine so genannte Phase-II-Studie abgeschlossen; sie steht damit auf der zweiten von drei Stufen, die zur Zulassung eines Medikamentes führen können. Das Ergebnis: Die Versuchsteilnehmer hatten bis zu zehn Mal weniger Kariesbakterien im Mund, wenn sie eine Woche lang täglich ein Gel mit dem Wirkstoff auftrugen. Am besten funktionierte die Applikation mithilfe einer Schiene, wie sie auch zum Auftragen von Zahnaufhellern verwendet wird. In einer zufällig ausgewählten Placebo-Gruppe wurde keine Bakterien-Reduktion festgestellt.

Allerdings müssen solche Erkenntnisse mit Vorsicht betrachtet werden. Zum einen basieren sie allein auf der Aussage der Firma und sind nicht von unabhängigen Forschern bestätigt worden. Zum anderen sind Studien in diesem Stadium noch nicht sehr aussagekräftig. Nach dem Studienprotokoll wurden etwa 60 Menschen untersucht. Die letzte Messung erfolgte eine Woche nach Abschluss der Behandlung. Ob das Gel auch bei einer großen Anzahl ganz unterschiedlicher Menschen und vor allem auf lange Sicht wirkt, ob es seltene Nebenwirkungen gibt - das alles muss in weiteren Tests überprüft werden.

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Erst wenn sie erfolgreich sind, kann die Zulassung beantragt werden - eine Hürde die längst nicht jede Neuentwicklung nimmt. Wenn der Wirkstoff es also überhaupt bis zur Marktreife schafft, dann erst in mehreren Jahren. Solange bleibt der sicherste Weg um Karies zu vermeiden: Gründliches Zähneputzen am besten nach jeder Mahlzeit und Zucker zu meiden, denn er lässt die Bakterien besonders gut gedeihen.