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Hyposensibilisierung bei Heuschnupfen:In 70 bis 80 Prozent der Fälle erfolgreich

Patienten brauchen Disziplin und Geduld: Wer jahrelang Spritzen aushält oder Medikamente einnimmt, kann seine Pollenallergie möglicherweise unter Kontrolle bringen. Für wen sich die aufwendige Hyposensibiliserierung am besten eignet.

Kurzfristig können Pollenallergiker sich mit Cortison-Nasensprays und Antihistaminika Erleichterung verschaffen. Wer auf lange Sicht die Symptome zurückdrängen will, kann eine Langzeitbehandlung erwägen. Sie soll das aus dem Tritt geratene Immunsystem dauerhaft umprogrammieren oder weniger empfindlich machen. "Besonders bei mäßigen bis starken Beschwerden, die die tägliche Arbeit beeinträchtigen oder Schlafprobleme verursachen, kann die so genannte spezifische Immuntherapie sinnvoll sein", sagt Axel Trautmann, Leiter des Allergiezentrums Mainfranken am Universitätsklinikikum Würzburg.

Generell gilt: Je früher eine allergenspezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, eingeleitet wird, desto besser sind die Heilungschancen. Bei Kindern und Jugendlichen sind sie besonders gut, da deren Immunsystem noch leichter beeinflussbar ist. Zugleich kann mit der Behandlung eine Ausweitung der Allergie auf andere Pollen sowie Hausstaubmilben oder Tierhaare verhindert werden.

Die Therapie verlangt allerdings Disziplin und einen langen Atem. Über drei bis fünf Jahre lang wird Patienten alle vier bis sechs Wochen jenes Allergen gespritzt, auf das das Immunsystem überreagiert. Auf diese Weise soll es gleichsam lernen, gegen die harmlosen Pollen eine Toleranz zu entwickeln. Dahinter stehen komplizierte immunologische Prozesse, die noch nicht bis ins Detail geklärt sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die in hohen Dosen gespritzten Allergene die so genannten regulatorischen T-Zellen in den Lymphknoten aktivieren. Die T-Zellen halten die Immunzellen in Schach und korrigieren so die Fehlreaktion des Immunsystems.

Die Therapie sollte mindestens drei Monate vor der Pollenflugsaison, also am besten im Winter, beginnen. In der etwa drei Monate dauernden Einleitungsphase wird die Dosis allmählich erhöht. Für die meisten Patienten ist die Therapie gut verträglich. "In einigen Fällen kann es in den ersten Monaten zu allergischen Reaktion an der Einstichstelle kommen, wie Rötungen oder Nesselsucht", sagt Trautmann. Selten schwillt auch der ganze Arm an.