HIV:Wo die Ansteckung droht

Aids fängt man sich nicht ein wie einen Schnupfen. Gängige Sozialkontakte zu HIV-Infizierten sind ungefährlich. Doch wie riskant ist welcher Sexualkontakt? Wie sicher sind Blutkonserven und wie groß ist die Gefahr für die Kinder von infizierten Schwangeren?

Von Nina Buschek

Noch immer stecken sich auch im aufgeklärten Deutschland Menschen mit HIV an. Nach wie vor scheuen Manche jeglichen Kontakt zu Infizierten. Wo Vorsicht notwendig und wo sie überflüssig ist. Ein Überblick.

Ansteckung beim Sex

In Deutschland wird HIV am häufigsten beim Sex weitergegeben. Egal ob homo-, hetero- oder bisexuell: Jeder ungeschützte Geschlechtsverkehr birgt ein Risiko. Potenziell infektiös sind Sperma, Vaginalsekret, Menstruationsblut und der Flüssigkeitsfilm auf der Darmschleimhaut. Am größten ist die Ansteckungsgefahr beim ungeschützten Vaginal- und Analverkehr - auch wenn kein Samenerguss erfolgt. Beim Oralsex ist das Risiko etwas geringer, aber nicht gebannt. Allerdings ist nicht gefährdet, wer nur mit Speichel in Kontakt kommt, denn Speichel ist nicht infektiös. Den sichersten Schutz vor einer HIV-Infektion bieten Kondome oder so genannte Dental Dams für den Oralverkehr.

Wichtig ist zudem, auf andere sexuell übertragbare Krankheiten zu achten und gegebenenfalls einen Arzt aufzusuchen. Herpes, Pilzinfektionen, Feigwarzen, Tripper oder Syphilis machen den Körper anfälliger für eine HIV-Infektion, weil Entzündungen dem Erreger den Weg in den Körper bahnen. Gleichzeitig steigt bei HIV-Infizierten durch eine weitere Geschlechtskrankheit das Risiko, HIV an den Partner weiterzugeben.

Übertragung von der Mutter auf das Kind

Schwangeren Frauen wird in Deutschland routinemäßig ein HIV-Test angeboten. Denn infizierte Mütter können das Virus während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen auf ihr Kind übertragen. Ohne Schutzmaßnahmen passiert das in rund 20 Prozent der Fälle. Trotzdem können HIV-positive Frauen gesunde Kinder zur Welt bringen. Optimale medizinische Betreuung und Behandlung senken das Übertragungsrisiko auf weniger als ein Prozent. Da das Virus am häufigsten während der Geburt in den kindlichen Blutkreislauf gerät, rät man HIV-positiven Frauen oft zu einem Kaiserschnitt.

Gefahr der Nadeln

Ansteckung beim Drogenkonsum

Über direkten Blutkontakt gelangt HIV am leichtesten von Mensch zu Mensch. Besonders hoch ist das Ansteckungsrisiko, wenn mehrere Drogenkonsumenten sich das Injektionsbesteck teilen. In Blutresten an der Nadel überleben die Viren mehrere Tage. Bei erneutem Gebrauch gelangen sie direkt in die Blutbahn.

Übertragung bei medizinischen Behandlungen

Sofern die Hygienevorschriften eingehalten werden, besteht in deutschen Kliniken und Arztpraxen kein Ansteckungsrisiko. Die Gefahr hierzulande eine HIV-verseuchte Bluttransfusion oder ein infiziertes Blutprodukt zu bekommen, ist seit 1985 gebannt. Blutspenden werden konsequent auf verschiedene Krankheiten untersucht, auch auf HIV und Syphilis.

Doch nicht überall auf der Welt gelten die gleichen Hygienestandards. In vielen Entwicklungsländern fehlt es schlicht an Geld für Einwegnadeln oder moderne Sterilisationsapparate. In Regionen mit schlechtem medizinischen Standard ist es deshalb prinzipiell möglich, sich mit HIV anzustecken, während ein Arzt eine Verletzung versorgt. Reisende können sich schützen, indem sie nachfragen und nachsehen, mit welchen Materialien gearbeitet wird. Blutkonserven sollte man nur annehmen wenn sie lebensrettend sind. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, mit der Krankenversicherung oder dem Reiseveranstalter Kontakt aufzunehmen. Die Mitarbeiter können möglicherweise Einrichtungen mit gutem medizinischen Standard empfehlen oder einen Rücktransport organisieren.

Wie wird HIV nicht übertragen?

Beim Küssen: Selbst leidenschaftliche Zungenküsse sind ungefährlich. HI-Viren werden nicht über den Speichel übertragen.

Alltägliche Sozialkontakte: Der Erreger wird nicht beim Husten oder Niesen, durch Nahrungsmittel oder Wasser weitergegeben. Man kann vom selben Teller essen, aus der selben Flasche trinken, sich Besteck teilen, dieselbe Toilette benutzen, zusammen ins Schwimmbad oder in die Sauna gehen und sich mit dem selben Handtuch abtrocknen, ohne eine Ansteckung zu riskieren.

Insektenstiche: Mücken übertragen kein HIV.

Friseur, Maniküre, Ohrlochstechen, Piercing, Tätowieren: Bei all diesen Behandlungen kann es blutig zugehen. Sofern die zuständige Fachkraft Scheren, Feilen oder Nadeln nach jedem Gebrauch sachgemäß reinigt und desinfiziert, besteht jedoch kein Risiko, sich mit HIV anzustecken.

© Süddeutsche.de/beu
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