Der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria gehört zu den großen weltweiten Gesundheitsorganisationen. Eigenen Angaben zufolge hat die Organisation seit ihrer Gründung im Jahr 2002 etwa 72 Millionen Menschenleben gerettet. Ende dieses Jahres läuft die achtjährige Amtszeit des Direktors Peter Sands turnusgemäß aus. Wer ihm nachfolgt, ist offen.
SZ: Herr Sands, Sie haben einmal gesagt, beim Kampf gegen Infektionskrankheiten gibt es keinen Mittelweg. Entweder man gewinnt oder verliert. Was sagen Sie zum Ende Ihrer Amtszeit: Kann die Welt die drei großen Krankheiten noch besiegen?
Peter Sands: Mit Blick auf HIV würde ich sagen, wir gewinnen. Zwar nicht so schnell, wie ich mir das wünschte, aber die Zahl der Menschen, die an Aids sterben, sinkt weiter. Nach meiner Einschätzung gewinnen wir auch den Kampf gegen die Tuberkulose. Die Zahl der diagnostizierten und behandelten Menschen steigt jedes Jahr, aber der Fortschritt verläuft nicht so schnell wie bei HIV.
Und Malaria?
Hier scheint mir der Ausgang derzeit unentschieden. In manchen Gegenden verzeichnen wir Fortschritte, in anderen dagegen so gut wie gar keine. In vielen der besonders betroffenen Regionen gibt es bewaffnete Konflikte. Der Klimawandel verschärft die Lage. Die Überträgermücken werden zunehmend resistent gegen die Insektizide. Wir haben es mit einer immer größer werdenden Gruppe von Gefährdeten zu tun. Das heißt, wir brauchen jedes Jahr mehr Geld, um sie zu schützen.
Ihre Amtszeit war von zwei großen Krisen geprägt, der Covid-Pandemie und den Mittelkürzungen der USA und anderen Ländern. Welche war schlimmer?
Ich denke die Pandemie. Sie hatte so dramatische Auswirkungen auf alle – auch auf unsere Arbeitsweise. Sehr, sehr viele Menschen sind nicht nur an Covid, sondern auch dadurch gestorben, dass Präventions- und Hilfsprogramme unterbrochen wurden.
Und die Mittelkürzungen?
Um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass wir die vollen Auswirkungen schon kennen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob wir bereits unseren neuen Normalzustand erreicht haben oder ob es weiter bergab geht.
Nun flammen immer wieder Diskussionen auf, den Sektor der globalen Gesundheit zu verkleinern und zu vereinheitlichen. Für wie aussichtsreich halten Sie das?
Ich halte den Bereich auch für zu fragmentiert. Eine Verschlankung und Vereinheitlichung wäre sehr sinnvoll. Aber wir sollten uns nicht einreden, dass dies den Rückgang der Gebermittel in Höhe von mehreren Milliarden Dollar irgendwie ausgleichen könnte. Die möglichen Einsparungen sind gering im Vergleich zu den bereits gekürzten Mitteln. Die Betriebskosten des Globalen Fonds entsprechen beispielsweise nur sechs Prozent unserer Gesamtmittel.
Ihr Bericht für das Jahr 2025 weist aus, dass trotz der Kürzungen Fortschritte aufrechterhalten werden konnten. Zum Teil wurden sogar Verbesserungen gegenüber 2024 berichtet. Wie ist das möglich?
Der Kampf gegen HIV, Tuberkulose und Malaria hat sich als überraschend widerstandsfähig erwiesen. Meiner Meinung nach ist das ein Beleg dafür, dass sich viele Länder, Gemeinden und die Zivilgesellschaft angepasst haben. Wir selbst haben auch viel verändert.
Zum Beispiel?
Wir konzentrieren die Mittel auf die Bedürftigsten, auf Regionen, die am stärksten betroffen sind und die geringsten Ressourcen haben. Gleichzeitig versuchen wir, Ländern dabei zu helfen, sich selbst besser um die Gesundheit ihrer Einwohner zu kümmern. Etwa 40 Länder werden in den kommenden Jahren aus unserer Förderung aussteigen müssen. Wir treiben zudem Innovationen voran. Sie ermöglichen, mit jedem ausgegebenen Dollar eine größere Wirkung zu erzielen.

Peter Sands arbeitete als Banker, ehe er in den Bereich der globalen Gesundheit wechselte. Seit 2018 leitet er den Globalen Fonds. Was er nach dem Ende seiner Amtszeit vorhat, ließ er zunächst offen.
Welche Innovationen meinen Sie?
Lenacapavir zum Beispiel.
Sie sprechen von Depotspritzen, die sechs Monate lang sehr sicher vor einer HIV-Infektion schützen. Der Globale Fonds hat Ende 2025 begonnen, sie in mehreren afrikanischen Ländern einzuführen.
Es war das erste Mal, dass eine bedeutende Innovation im Kampf gegen HIV zur selben Zeit in Afrika und in Industrieländern eingeführt wurde. 2028 wird voraussichtlich auch eine monatlich einzunehmende Tablette zur Vorbeugung auf den Markt kommen. Die beiden Mittel können die HIV-Neuinfektionen massiv reduzieren. Das wird das wirkungsvollste Instrument zur HIV-Prävention sein, das wir je hatten. Gegen Malaria haben wir in den vergangenen Jahren Moskitonetze eingesetzt, die gleich zwei Insektizide enthalten, um der Resistenzbildung entgegenzuwirken. Gegen die Tuberkulose haben wir seit einiger Zeit einfachere und verbesserte Tests. 2029 oder 2030 könnte zudem der erste neue TB-Impfstoff auf den Markt kommen. Die Pipeline an neuen Entwicklungen ist gut gefüllt. Wir müssen jetzt das Maximale aus ihr herausholen.
