Heroin, Kokain, Cannabis:Krieg gegen die Drogen geht verloren

Kampf gegen die Drogen

Afghanische Polizei verbrennt beschlagnahmte Drogen

(Foto: AFP)

Der Krieg gegen die Drogen tobt seit 40 Jahren, Zehntausende Menschen wurden getötet, große Gebiete Zentralamerikas sind zu den gefährlichsten Gegenden der Welt geworden. Doch der Kampf war bislang vergeblich. Heroin, Kokain und Cannabis wurden in den vergangenen Jahren sogar preiswerter und stärker.

Von Christian Weber

Es ist ein echter Krieg: Allein in Nordmexiko hat er vermutlich binnen sechs Jahren mehr als 70.000 Menschenleben gefordert. In seinem Verlauf sind große Gebiete Zentralamerikas zu den gefährlichsten Gegenden der Welt geworden, wo die Mordraten mit am höchsten sind. Zugleich hat der "Krieg gegen die Drogen", erstmals 1972 vom damaligen US-Präsidenten Richard Nixon ausgerufen, offenbar keines seiner Ziele erreicht.

Was informierte Beobachter seit Jahren immer wieder gesagt haben, bestätigt jetzt eine der wenigen umfassenden wissenschaftlichen Studien zum Thema. "Die globale Versorgung mit illegalen Drogen hat in den letzten zwei Jahrzehnten nicht abgenommen", schreibt das Forscherteam um Dan Werb und Evan Wood vom BC Centre for Excellence in HIV/Aids im kanadischen Vancouver in der Fachzeitschrift British Medical Journal (online). Im Gegenteil: Heroin, Kokain und Cannabis wurden in den letzten Jahren preiswerter und zugleich in ihrer Wirkung stärker.

Die Wissenschaftler berufen sich in ihrer Studie auf die Analyse von sieben staatlichen Datenbanken in verschiedenen Ländern, für die der Drogenmarkt mindestens zehn Jahre lang beobachtet wurde. Dabei wurde etwa für die USA festgestellt, dass dort der durchschnittliche, inflationsbereinigte Preis für Heroin zwischen 1990 und 2007 um 81 Prozent gesunken ist; bei Kokain betrug der Preisnachlass 80 Prozent und bei Cannabis 86 Prozent. Zugleich stieg die Reinheit der Drogen: bei Heroin um 61 Prozent, bei Kokain um 11 Prozent, bei Cannabis sogar um 161 Prozent.

Ein ähnlicher Trend wurde in Europa beobachtet, wo die Opiate 74 Prozent und Cannabis-Präparate 51 Prozent billiger wurden. Diese Entwicklung ist umso erstaunlicher, als die Behörden sowohl der Hersteller- wie auch der Nachfrageländer melden, dass sie zum Teil wesentlich mehr Drogen beschlagnahmt hätten: In den USA wurde zwischen 1990 und 2010 zwar nur halb soviel Kokain von der Polizei sichergestellt, bei Cannabis und Heroin betrug die Zunahme jedoch 465 und 29 Prozent.

In Europa gab es keinen klaren Trend bei Kokain und Cannabis, dafür wurde bis 2009 etwa 380 Prozent mehr Heroin pro Jahr beschlagnahmt. Die Schlussfolgerung sei unvermeidlich, schreiben die Studienautoren: "Die vermehrten Anstrengungen, den globalen, illegalen Drogenmarkt durch Strafverfolgungsmaßnahmen in den Griff zu bekommen, sind gescheitert."

© SZ vom 01.10.2013/mcs
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